- Offiziellen Dokumenten zufolge soll Wladimir Putins Besitz überschaubar sein
- Hinter vorgehaltener Hand wird aber immer wieder von einem Milliarden-Vermögen gemunkelt
- Wie reich ist der russische Präsident wirklich? Das ist bekannt
Wladimir Putin ist ohne Zweifel der mächtigste Mann Russlands. Seit mehr als 20 Jahren führt er das Land und hat in dieser Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Verlässliche Informationen zum Besitz des Präsidenten sind jedoch rar. Dennoch kommen immer wieder Gerüchte auf. Teilweise heißt es sogar, Putin sei der reichste Mann der Welt.
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Wladimir Putins Vermögen: Offiziell nur ein "geringes" Gehalt
Dabei klingen die offiziellen Angaben zunächst nicht, als handle es sich bei Putin um einen Multimillionär oder gar Milliardär. Laut öffentlichen Dokumenten des Kreml verdiente Putin 2021 – neuere Daten gibt es nicht – rund 850.000 Rubel pro Monat. Das entspricht etwa 9.500 Euro. Zum Vergleich: Das offizielle Gehalt von Donald Trump als US-Präsident beträgt mit rund 30.700 Euro im Monat gut das Dreifache pro Monat.
Der Kreml gibt nicht nur Putins Gehalt, sondern auch seinen Besitz an, und der klingt alles andere als protzig. So gehört ihm an Immobilien offiziell:
- eine 77 Quadratmeter große Wohnung
- ein 18 Quadratmeter großer Parkplatz
Als Präsident darf er zudem eine 154 Quadratmeter große Wohnung und eine Garage benutzen. Wo sie sich befinden, wird nicht angegeben.
Zwei Oldimter sind offiziell Teil von Wladimir Putins Vermögen
Wenn Putin sich mal selbst hinters Steuer setzen will, kann er das hinter einem seiner zwei Oldtimer des sowjetischen Autoherstellers GAZ von 1956 tun. Darin fuhr er 2005 den US-Präsidenten George W. Bush durch die Gegend. Zudem besitzt Putin seit 2009 nach offiziellen Angaben einen Geländewagen von Lada und den dazugehörigen Zeltanhänger.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das Vermögen von Putin sieht selbst im Vergleich mit russischen Top-Beamten mehr als bescheiden aus. Allein die Frau von Anton Eduardowitsch Waino ist dreifache Immobilienbesitzerin. Waino ist Vorsitzender der Präsidialverwaltung und damit so etwas wie Putins Kanzleramtschef.
Putins Vermögen: Wie soll der Präsident sich einen Palast-Komplex leisten können?
Es will nicht zusammen passen, dass der vermeintlich bescheidene Putin sich einen Palast-Komplex im Wert von 1,12 Milliarden Euro am Schwarzen Meer leisten kann. Genau das warf der Kremlkritiker Alexej Nawalny Putin jedoch vor.
In einem enorm erfolgreichen Video sprachen Nawalny und sein Team von der „größten Bestechung der Geschichte“ im Zusammenhang mit der Finanzierung des 17.700 Quadratmeter großen Luxusanwesens. Das Geld soll von Unternehmen stammen, die in Verbindung mit Putin-Vertrauten stehen. Neben dem milliardenschweren Geschäftsmann Gennadi Timtschenko und dem ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden der Rossija-Bank, Juri Kowaltschuk, fällt dabei auch der Name von Igor Setschin.

Der ehemalige KGB-Offizier und Vorstandsvorsitzende des russischen Mineralölunternehmens Rosneft ist ein langjähriger Wegbegleiter Putins und gilt als einer seiner engsten Vertrauten. Der Name Putin taucht jedoch kein einziges Mal in den Finanzierungsunterlagen des Palast-Komplexes auf, wie Nawalny offen zugab.
Dementsprechend leicht dürfte es Putin gefallen sein, die Anschuldigungen gegen ihn zurückzuweisen. „Nichts von dem, was hier als mein Besitz aufgeführt wird, gehört mir oder meinen engen Verwandten", sagte er über das Video. Der Kreml hat offiziell verlauten lassen, das Anwesen gehöre einem Unternehmer. Putins Sprecher Dmitri Peskow nannte aber keine Namen. Später hat sich der russische Baumagnat Arkadi Rotenberg als Besitzer gemeldet. Rotenberg ist ein Jugendfreund Putins und wurde an seiner Seite zum Milliardär.
Wladimir Putin im Steckbrief: Das ist der russische Präsident
| Name | Wladimir Wladimirowitsch Putin |
| Geburtsdatum | 7. Oktober 1952 |
| Geburtsort | Sankt Petersburg |
| Amt | Präsident der Russischen Föderation |
| Im Amt seit | 2000 (Unterbrechung von 2008 bis 2012) |
| Familienstand | Geschieden, mindestens zwei Kinder |
| Größe | ca. 1,70 Meter |
Die Anfänge von Putins angeblichem Milliardenvermögen
Es ist nicht das erste Mal, dass Putin Korruption und enge Verbindungen zu russischen Oligarchen vorgeworfen wird. Schon während der 90er Jahre soll er als Vorsitzender des Außenhandelsausschusses von St. Petersburg Bestechungsgelder kassiert haben. Der Vorwurf stammt von der Petersburger Ex-Stadträtin Marina Salje.
Eine Kommission unter ihrer Leitung kam 1992 zu dem Schluss, dass Putin und sein Stellvertreter Alexander Anikin Rohstoffe für rund 100 Millionen US-Dollar exportiert hatten. Die dafür als Gegenleistung versprochenen Lebensmittel für St. Petersburg, wo zu dieser Zeit akuter Lebensmittelmangel herrschte, seien nie eingetroffen. Putin wurde entgegen der Forderungen des Stadtparlaments nicht entlassen. Er selbst dementierte die Vorwürfe und eine Untersuchung des Vorfalls verlief sich im Sand. Acht Jahre später wurde Putin erstmals russischer Präsident.
Aus seiner St. Petersburger Zeit stammen einige Verbindungen, auf die sich bis heute immer wieder Vorwürfe zu Putins angeblichem Milliardenvermögen beziehen. Belegt ist zum Beispiel, dass Putin 1996 mit sieben Vertrauten nördlich von St. Petersburg gemeinsame Datschen errichten ließ. Vier Mitglieder der sogenannten Datschen-Kooperative „Osero“, Juri Kowaltschuk, Wiktor Mjatschin, Andrej Fursenko und Wladimir Jakunin, waren zu diesem Zeitpunkt Besitzer der russischen Privatbank Rossija.

Es handelt sich um eben jenen Kowaltschuk, den auch Nawalny als einen der Finanziers des Palast-Komplexes am Schwarzen Meer benennt. Kowaltschuks milliardenschwere Bank Rossija gilt schon länger als Finanzier von Putins innerem Zirkel und war daher auch bereits Ziel westlicher Sanktionen.
Putin soll Milliarden Dollar in Aktien besitzen
Die USA und die EU sanktionierten zeitweise auch den zweiten angeblichen Finanzier des Palast-Komplexes, Gennadi Timtschenko. Er und Putin kennen sich noch aus Dresden, wo der russische Präsident in den 80er Jahren als KGB-Agent stationiert war. Timtschenko gründete Ende der Neunziger zusammen mit dem Schweden Torbjörn Tornqvist das Ölhandelsunternehmen Gunvor.
Als der russische Politologe Stanislaw Belkowski 2007 gegenüber der „Welt“ Putins Vermögen auf rund 40 Milliarden Dollar bezifferte, nannte er auch Aktien von Gunvor als indirekten Besitz. Belkowski behauptete außerdem, dass Putin 37 Prozent der Aktien des Gas- und Ölförderkonzerns Surgutneftjegas im damaligen Wert von rund 16,6 Milliarden Euro besitze. Dazu kämen Aktienanteile an Gazprom in Höhe von 4,5 Prozent.
Gunvor hat jegliche Verbindungen zu Putin mehrfach kategorisch dementiert. Auch Putin wies Belkowskis Behauptungen als unwahr zurück. Vom US-Finanzministerium hieß es 2014 allerdings: „ Timchenko’s activities in the energy sector have been directly linked to Putin. Putin has investments in Gunvor and may have access to Gunvor funds.“ (“Timtschenkos Aktivitäten im Energiesektor wurden direkt mit Putin in Verbindung gebracht. Putin ist an Gunvor beteiligt und hat möglicherweise Zugang zu Gunvor-Geldern.“)
Unbestritten ist, dass Timtschenko Anteile an Gunvor gehalten hat. Kurz bevor die USA ihn 2014 im Zuge der Krimkrise sanktionierten, verkaufte Timtschenko seine kompletten Anteile an Mitgründer Tornqvist. Dies sei geschehen, „um die Geschäftstätigkeit auch weiterhin sicherzustellen“, wie Gunvor laut „Financial Times“ mitteilte.
Hortet Putins bester Freund für ihn sein Vermögen?
Womöglich könnte Putins Vermögen aber sogar noch höher als die geschätzten 40 Milliarden sein. Der US-Justizausschuss lud 2017 während der Untersuchungen zu Trumps Russland-Affäre den Investmentbanker Bill Browder als Zeuge vor. Browder schätzte das Vermögen Putins in seiner Zeugenaussage auf 200 Milliarden Dollar. Damit wäre Putin zu diesem Zeitpunkt der reichste Mann der Welt gewesen. Wie sich dieses Vermögen genau zusammensetze, sagte Browder nicht. Er behauptete lediglich, dass es aus illegal abgezwackten Geldern stamme.

Als Beispiel bezog sich Browder auf die Enthüllungen in den „Panama Papers“, die wegen eines Datenlecks 2016 in die Öffentlichkeit gerieten. In den Unterlagen des panamaischen Offshore Dienstleisters Mossack Fonseca taucht laut übereinstimmenden Medienberichten mehrfach der Name Sergej Roldugin auf.
Roldugin soll zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Besitzer mehrerer Offshore-Unternehmen gewesen sein. Diese hätten angeblich Aktien der größten Konzerne Russlands besessen. Auch Kredite in Millionenhöhe seien über Roldugins Unternehmen abgewickelt worden. Insgesamt seien durch die Briefkastenfirmen zwei Milliarden Dollar geflossen, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.
Roldugin ist von Beruf weder Manager noch Börsenbroker oder hat Wirtschaft studiert. Roldugin ist Cellist. Bekannt ist er jedoch vor allem als Putins enger, wenn nicht sogar bester Freund. Bilder zeigen ihn als den Taufpaten von Putins ältester Tochter Maria. Nicht wenige vermuten ihn als den heimlichen Vermögensverwalter des russischen Präsidenten.
(jas/nfz mit dpa)





