• Gesundheitsminister Lauterbach war im Italien-Urlaub in der Toskana: Auch im Urlaub ließ er die Finger nicht vom Smartphone
  • Auch zur Hitzewelle äußerte sich Lauterbach auf Twitter
  • Das kam bei den Italienern gar nicht gut an. Insbesondere der Lebenspartner der italienischen Premierministerin zeigte sich alles andere als begeistert über die Aussagen Lauterbachs

Wer derzeit die Nachrichten im Fernsehen verfolgt, fühlt sich an einen Horrorfilm „made in Hollywood“ erinnert. Flammenwände bewegen sich auf Hotels zu, verschlucken Häuser und zerstören landwirtschaftliche Flächen. Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad begünstigen Waldbrände, die durch Winde immer wieder angefacht werden. Urlauber verlassen in Panik ihre Bettenburg und rasen zum Flughafen.

Egal ob Griechenland, Korsika, Spanien oder Portugal: Die Wetterextreme und die Folgen des Klimawandels sind endgültig in Europa angekommen. Ob wir es wollen oder nicht: Wir müssen uns mit den Konsequenzen auseinandersetzen.

Urlaub in Italien: Gesundheitsminister Lauterbach irritiert

Man braucht deshalb nicht gleich die Apokalypse zu beschwören wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Der SPD-Politiker, der Mitte Juli in der Toskana schwitzte, sagte dem Tourismusland Italien in einem Twitter-Stakkato den Untergang voraus: „Die Hitzewelle ist spektakulär hier. Wenn es so weiter geht, werden diese Urlaubsziele langfristig keine Zukunft haben. Der Klimawandel zerstört den Süden Europas. Eine Ära geht zu Ende.“

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Ist Lauterbach jetzt unter die Geschichtspropheten gegangen, der historische Perioden definiert und Epochen prognostiziert? Der Minister scheint permanent auf Sendung zu sein, was für eine gewisse Selbstverliebtheit und einen Hang zum Quasseln spricht – auch auf digitalen Kanälen. Man möchte ihm zurufen: „Piano, Carlo.“ Manchmal ist weniger mehr, gerade als Mitglied der Bundesregierung.

Urlaub in Italien: Melonis Lebenspartner schäumt nach Lauterbach-Aussage

Kein Wunder, dass die Leute südlich der Alpen schäumen. „Seit 20, 30 Jahren müssen uns die Deutschen irgendwie erklären, wie wir leben müssen“, schimpfte der TV-Journalist Andrea Giambruno, der Lebenspartner der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. „Wenn es dir nicht passt, dann bleib zu Hause.“

Ja, das Problem des Klimawandels muss angepackt werden, aber nicht in der schnoddrigen Art von Lauterbach. Die Politik sollte alles dafür tun, um CO2-Emissionen zu reduzieren und dafür weltweit um Mitstreiter zu werben. Ohne China, die USA oder Brasilien ist der Kampf nicht zu gewinnen. Aber auch die Bürger sind gefragt – bei der Wahl der Verkehrsmittel oder bei der Wärmedämmung von Wohnungen und Häusern.

Michael Backfisch, Politik-Korrespondent
Michael Backfisch, Politik-Korrespondent© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Urlaub: Wen es ans Meer zieht, könnte die Strände im Norden ins Auge fassen

Und selbstverständlich muss jeder einzelne prüfen, wie er mit der Häufung extremer Wetterlagen umgeht und was dies für seinen Urlaub bedeutet. Dabei könnte es durchaus zu Verschiebungen von Reisezielen kommen. Wen es im Sommer ans Meer zieht, könnte zunehmend die Strände an Nord- und Ostsee ins Auge fassen. Auch wenn dort die Temperaturen ebenfalls ansteigen dürften, ist das Klima insgesamt doch deutlich erträglicher als bei über 40 Grad am Mittelmeer.

Sollten die Verbraucher dahin tendieren, müsste die Tourismus-Industrie reagieren und zusätzliche Angebote schaffen. Darüber hinaus könnte im Juli und August auch eine Auszeit in den Alpen attraktiver werden.

Wann und wo wir Urlaub machen, liegt in unserer individuellen Verantwortung

Griechenland, Italien oder Spanien haben damit trotz des Klimawandels als Ferien-Destinationen nicht ausgedient. Im Frühjahr und im Herbst sind die Temperaturen dort wesentlich angenehmer. Das sollte in künftige Urlaubsplanungen mit einbezogen werden. Ob deshalb die „großen Ferien“ – viele Eltern mit Schulkindern hängen von ihnen ab – verschoben werden sollten und könnten, muss aus pädagogischer Sicht entschieden werden.

Auch in Zeiten des Klimawandels gilt: Keine Panik! Die Wahl, wann und wo wir Urlaub machen, ist nicht Sache des Staates – schon gar nicht mit Verboten. Sie liegt in unserer individuellen Verantwortung. Immer auch mit Blick auf unseren blauen Planeten. Wir haben nur den einen.