Tierschutz

Immer mehr Wölfe in Deutschland – fällt bald ihr Schutz?

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Christian Kerl
Der Wolf breitet sich langsam wieder in Deutschland aus. Sie leben im Gehege des brandenburgischen Wildparks Schorfheide.

Der Wolf breitet sich langsam wieder in Deutschland aus. Sie leben im Gehege des brandenburgischen Wildparks Schorfheide.

Foto: Patrick Pleul / dpa

In Deutschland leben über 160 Wolfsrudel. Immer häufiger greifen sie Nutztiere an. Die EU diskutiert nun die Schutzregelung der Wölfe.

Brüssel. Angesichts der steigenden Zahl von Wolfsrudeln in Deutschland und Europa will die EU-Kommission prüfen, ob der Schutzstatus für die bislang streng geschützten Wölfe in der Europäischen Union gelockert werden könnte. Das hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Aussicht gestellt. „Ich habe die Dienststellen der Kommission angewiesen, eine eingehende Analyse der Daten durchzuführen“, schreibt von der Leyen in einem unveröffentlichten Brief an eine Gruppe deutscher EU-Abgeordneter von CDU und CSU, der unserer Redaktion vorliegt.

Die Kommission erkenne an, dass die Rückkehr von Wölfen sowie ihre wachsende Zahl zu Konflikten führe, es gebe vermehrte Berichte über Wolfsangriffe auf Tierbestände und steigende Risiken für Menschen vor Ort, erklärt von der Leyen. „Diese Situation wirft verständlicherweise in betroffenen Regionen Europas die Frage auf, ob der aktuelle Schutzstatus von Wölfen angemessen ist“, schreibt die Kommissionspräsidentin weiter. „Für eine Änderung der derzeitigen Regelung bedarf es einer umfassenden Prüfung aller verfügbaren wissenschaftlichen und technischen Daten und aller anderen relevanten Umstände“.

Wölfe in Deutschland: 2021 fast tausende Angriffe auf Nutztiere

Von der Leyen meldet sich in einer Debatte zu Wort, die in Deutschland und anderen EU-Ländern mit immer größerer Heftigkeit geführt wird. Landwirte und Jäger beklagen, dass die Zahl der Attacken von Wölfen auf Nutztiere, vor allem auf Schafe und Ziegen, in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland nach amtlichen Angaben insgesamt 975 Angriffe von Wölfen mit 3374 verletzten, vermissten oder getöteten Nutztieren gemeldet. Tierschützer warnen dennoch vor einer Lockerung der strengen Schutzregeln für den Wolf.

Mit dem Schreiben reagiert die Kommissionspräsidentin auf Forderungen von Europaabgeordneten. Das EU-Parlament hatte vergangene Woche in einer maßgeblich von der christdemokratischen EVP-Fraktion initiierten Resolution die Kommission aufgefordert, die Wolfsstrategie neu zu bewerten und die wachsenden Bestände zu berücksichtigen. In der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) zum Artenschutz könnte demnach der Status des Wolfes von „streng geschützt“ auf „geschützt“ gelockert werden, um den nicht mehr vom Aussterben bedrohten Wolf stärker zu regulieren. Ähnlich hatten sich zuvor 22 deutsche CDU/CSU-Abgeordnete in einem Schreiben an von der Leyen geäußert.

EU-Kommission: Ausnahmen vom strengen Schutz für den Wolf schon möglich

In ihrem Antwortbrief an die Abgeordneten macht von der Leyen in Brüssel nun über die Prüfung hinaus keine Zusagen. Sie betont, auch die geltende FFH-Richtlinie gebe den Mitgliedstaaten „beträchtliche Möglichkeiten“, mit Ausnahmeregelungen von der strengen Schutzregelung abzuweichen und dann eine begrenzte Anzahl der Tiere zu „entnehmen“, also abzuschießen. Die Kommission stehe den Mitgliedstaaten nicht im Weg, von den Ausnahmetatbeständen Gebrauch zu machen, versicherte von der Leyen.

Der Vorsitzende der deutschen CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, Daniel Caspary, sagte unserer Redaktion, von der Leyens Schreiben zeige deutlich, dass Bund und Länder bereits jetzt Möglichkeiten hätten, die Problematik der steigenden Wolfspopulationen anzugehen: „Die Europäische Kommission wird hier jedenfalls nicht als Bremser auftreten“. Nach neuen Daten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) sind aktuell in Deutschland 161 Wolfsrudel und insgesamt über 1100 Tiere in Deutschland amtlich bestätigt, vor allem im Norden und Osten des Landes.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.