Trump-Skandal

Ex-Präsident Donald Trump bewirtet einen Holocaust-Leugner

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Hautkapp
Trump will bei Präsidentschaftswahl 2024 erneut antreten

Trump will bei Präsidentschaftswahl 2024 erneut antreten

Zwei Jahre nach seiner Abwahl hat der frühere US-Präsident Donald Trump eine neue Präsidentschaftskandidatur zur Rückeroberung des Weißen Hauses angekündigt. In seiner mehr als einstündigen Rede im Ballsaal von Mar-a-Lago zeichnete der 76-jährige Rechtspopulist ein düsteres Bild von der Lage der USA.

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Ein Skandal-Essen in Mar-a-Lago mit Nick Fuentes sorgt für Sturm der Empörung. Rap-Star Kanye West hatte den 24-Jährigen eingeschleust.

Washington. Sage mir, wer beim Abendbrot bei dir am Tisch sitzt – und sich sage dir, wer du bist: US-Präsidentschafts-Kandidat und Ex-Präsident Donald Trump hat mit einem Skandal-Abendessen in seinem Florida-Domizil Mar-a-Lago in den USA für einen Sturm der Empörung gesorgt.

Wie US-Leitmedien von "New York Times" bis "Washington Post" berichten, bewirtete der 76-Jährige vor wenigen Tagen mit Nick Fuentes einen herausragend bekannten Neonazi, Antisemiten, Holocaust-Leugner und Verfechter weißer Vorherrschaft ("white supremacy").

Der 24-Jährige aus Chicago kam im Schlepptau von Rap-Milliardär und Möchtegern-Präsidentschaftskandidat Kanye West auf das ansonsten hermetisch abgeriegelte Gelände in Palm Beach. Trump bestätigte das Zusammentreffen, will Fuentes aber vorher nicht gekannt haben.

Trump über Fuentes: "Er versteht mich"

Wie Augenzeugen berichten, zeigte sich Trump von dem redegewandten Rechtsextremisten, der auf nahezu allen konventionellen Internet-Plattformen wie Facebook, YouTube und Twitter, gesperrt ist, "sehr angetan". Wörtlich soll Trump gesagt haben: "Er versteht mich."

Fuentes stammt aus dem Bundesstaat Illinois. Er ist erstmals öffentlich breiter bekannt geworden durch die tödlich aus dem Ruder gelaufene Neonazi-Demonstration in Charlottesville/Virginia im Jahr 2017.

Trump soll Randalierern vom 6. Januar 2021 Amnestie gewähren

Dabei äußerte sich Fuentes kürzlich alles andere als wohlwollend über seinen angeblichen Gastgeber: Auf Trumps Digital-Plattform "Truth Social" legte er dar, was er an seinem Idol auszusetzen hat. Demnach war Trumps Rede zur Bekanntgabe der dritten Präsidentschafts-Kandidatur vor wenigen Tagen "lahm" und "langweilig".

Gesondert bemängelte der ehemalige Student der Universität in Boston, dass Trump sich nicht zum "massenhaften Wahlbetrug", zur "Strafverfolgung gegen Demonstranten vom 6. Januar 2021" und zum "Hass auf Weiße" geäußert habe. Mussolini-Fan Fuentes verlangte, dass Trump wieder spontan aus dem Ärmel heraus mit Provokationen improvisiert und radikaler wird. Trump soll wohlwollend auf den Rat reagiert haben.

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Weiterhin fordert Fuentes in dem Beitrag eine Amnestie für die Randalierer, die seinerzeit das Kapitol in Washington stürmten, um die Anerkennung des Wahlsieges von Joe Biden zu verhindern. Fuentes will die republikanische Partei nach eigenen Angaben in Richtung einer "totalen Revolution" schieben.

In seinem vielgehörten Podcast sprach er kürzlich davon, dass Trump 2024 unbedingt ins Amt verholfen werden müsse. Danach können man Wahlen abschaffen.

Treffen mit Fuentes "verdammter Albtraum"

Fuentes fällt seit Jahren dadurch auf, dass er sich Amerika als rassisch und religiös homogene Gesellschaft wünscht, in der Christen den Ton angeben und Juden sowie der Islam keinen Platz haben. In der antimuslimisch, immigrationsfeindlich und wirtschaftspolitisch nationalistisch grundierten Politik Trumps sieht der Rechtsradikale die Zukunft.

Fuentes ist selbst für die vor Rechtsextremen wimmelnde Plattform "Gettr", die von Ex-Trump-Sprecher Jason Miller gesteuert wird, zu starker Tobak. Seine Nutzerkonto ist gesperrt.

Dass sich Trump von dem jungen Mann charmieren ließ, stellt nach Ansicht von engen Trump-Vertrauten einen "verdammten Albtraum" dar, der seine Chancen für 2024 verschatten könne. Tenor: Moderate Wähler würden sich nun möglicherweise ganz dem Konkurrenten Ron DeSantis zuwenden.

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Zur Schadensbegrenzung greift Trump nun zu einem bekannten Ablenkungsmanöver: Wie schon 2017, als er Avancen des früheren Ku-Klux-Klan-Großmeisters David Duke mit dem Hinweis abtat, er kenne den bekennenden Rassisten überhaupt nicht, betonte er auch diesmal, nicht gewusst zu haben, wer Fuentes ist.

Trumps Kandidatur "nicht mehr haltbar"

Prominente Republikaner wie der Ex-Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, nehmen Trump die Erklärung nicht ab und bezeichnen seine Präsidentschaftskandidatur als "nicht mehr haltbar".

Noch leidenschaftlicher reagierte David Friedman, Ex-US-Botschafter in Israel und bis dato ein enger Trump-Anhänger: Sich von einem "Antisemiten" wie Kanye West und "menschlichem Abschaum" wie Nick Fuentes besuchen zu lassen, sei "inakzeptabel", schreibt Friedman und bedrängt Trump, "diese Penner herauszuschmeißen" und sie dem "Abfalleimer der Geschichte" zu überantworten, "wo sie hingehören".

Trump versuchte die Begegnung weiter zu verharmlosen. Man habe schnell und ereignislos gegessen, behauptet er, danach seien die Gäste wieder abgereist. Hingegen berichtete Kanye West in Videos, dass Trump ihn angeschrien und seine Ex-Frau Kim Kardashian beleidigt habe.

Hintergrund: West will 2024 selber kandidieren und hat Trump den Posten des Vizepräsidenten angeboten. Trump riet dem bipolaren Künstler nach Angaben von Ohrenzeugen von einer Präsidentschaftbewerbung lautstark ab: "Du wirst verlieren."

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.