Ukraine-Krieg

Ostukraine: Russland will Truppen aus Charkiw abziehen

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Geburtsklinik bei Saporischschja: Angst vor einem Atomunfall

Geburtsklinik bei Saporischschja: Angst vor einem Atomunfall

In der Geburtsklinik der ukrainischen Stadt Saporischschja machen sich Personal und Patientinnen große Sorgen über eine mögliche Explosion des gleichnamigen Atomkraftwerks, das nur 50 Kilometer entfernt ist. Die frischgewordene Mutter Valentina befürchtet vor lauter Angst nicht stillen zu können. Indes hat das Personal Jodtabletten ausgeteilt und einen Schutzraum mit Inkubatoren, Betten und Sandsäcken im Keller eingerichtet. Hier ist man auf das Schlimmste gefasst.

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Russland hat zugegeben, Truppen aus der Ostukraine abziehen zu wollen. Soldaten wurden von der ukrainischen Gegenoffensive überrascht.

Kiew. Russland hat den Abzug von Truppen aus der Ostukraine bekanntgegeben. Unter dem Druck der ukrainischen Gegenoffensive sollen Soldaten aus dem Gebiet Charkiw etwa aus der strategisch wichtigen Stadt Isjum abgezogen werden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau am Samstag.

Zuvor hatte die ukrainische Seite von erfolgreichen Rückeroberungen im Gebiet Charkiw berichtet. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hatte am Samstag bereits mitgeteilt, dass die Ukraine die ebenfalls strategisch wichtige Stadt Kupjansk im östlichen Gebiet Charkiw zurückerobert habe. Kupjansk ist wegen des direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig für die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das südwestlich gelegene Isjum. Lesen Sie auch: Ukraine will über 300 Milliarden Entschädigung von Moskau

Ukraine: Russische Truppen sind offenbar überrascht worden

Mit ihrer Gegenoffensive haben die ukrainischen Truppen im Nordosten des Landes nach britischen Informationen die russischen Kräfte überrumpelt. Die ukrainischen Speerspitzen seien auf enger Front bis zu 50 Kilometer weit in bisher russisch besetztes Gebiet vorgestoßen, teilte das Verteidigungsministerium am Samstagmorgen in London unter Berufung auf Geheimdienste mit. In dem Gebiet seien nur wenige russische Truppen versammelt gewesen, hieß es. "Die russischen Kräfte wurden offenbar überrascht." Auch interessant: Saporischschja: Akw-Betreiber wirft Besatzern Folter vor

Währenddessen ist Außenministerin Annalena Baerbock in Kiew eingetroffen. Es ist ihre zweite Reise in die Ukraine seit Kriegsbeginn. Sie wolle mit der Reise zeigen, "dass wir der Ukraine weiter beistehen, so lange es nötig ist – mit der Lieferung von Waffen, mit humanitärer und finanzieller Unterstützung", sagte sie am Samstagmorgen bei ihrer Ankunft. Mehr zum Thema: Ukraine: Baerbock zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn in Kiew

Charkiw: Russische Besatzer rufen Menschen zur Flucht auf

Nach Bekanntgabe des Truppenrückzugs haben die russischen Besatzer im ostukrainischen Gebiet Charkiw alle Bewohner der bislang unter ihrer Kontrolle stehenden Orte zur Flucht aufgerufen. "Ich empfehle nochmals allen Bewohnern der Region Charkiw, das Gebiet zum Schutz ihres Lebens und ihrer Gesundheit zu verlassen", sagte der Chef der von Russland eingesetzten Militärverwaltung, Witali Gantschew, am Samstag laut der Agentur Tass. "Jetzt in seinem Haus zu bleiben, ist gefährlich."

(lhel/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.