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Olympia-Attentat: Steinmeier bittet Angehörige um Vergebung

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US-Schwimmlegende Mark Spitz erinnert sich an Olympia-Attentat

US-Schwimmlegende Mark Spitz erinnert sich an Olympia-Attentat

Die US-Schwimmlegende Mark Spitz gewann bei den Olympischen Spielen 1972 sieben Goldmedaillen. Spitz, der selbst Jude ist, erlebte in München aber auch den Terroranschlag auf die israelische Mannschaft. 50 Jahre später erinnert sich der heute 72-Jährige an die Ereignisse.

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Bundespräsident Steinmeier bittet Angehörige des Olympia-Attentats um Vergebung. Nach 50 Jahren steht eine Entschädigungssumme fest.

Berlin. Nach 50 Jahren bittet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Angehörigen der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 um Vergebung. Vor wenigen Tagen hat sich die Bundesregierung mit den Hinterbliebenen auf eine Entschädigungssumme geeinigt. Abgeschlossen ist das dunkle Kapitel dennoch nicht, denn es bleiben weiterhin viele Fragen offen.

Olympia-Attentat: Gedenkverantstaltung zum Jahrestag

Am Montag verantstaltete der Bundespräsident eine Gedenkveranstaltung in Fürstenfeldbruck zum 50. Jahrestag des Attentats. Er bat dort die Angehörigen der Opfer von 1972 um Vergebung.

„Ich bitte Sie als Staatsoberhaupt dieses Landes und im Namen der Bundesrepublik Deutschland um Vergebung, um Vergebung für den mangelnden Schutz der israelischen Athleten damals bei den Olympischen Spielen in München und für die mangelnde Aufklärung danach; dafür, dass geschehen konnte, was geschehen ist“, sagte Steinmeier.

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Olympia-Attentat: Die Hintergründe

Bei dem Anschlag 1972 waren elf Mitglieder des israelischen Olympiateams und ein deutscher Polizist ums Leben gekommen. Mit den Geiseln wollten palästinensische Terroristen über 200 Gefangene in Israel und die RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freipressen.

Am Morgen des 5. Septembers 1972 waren die Attentäter in die Unterkunft der Sportler im Olympischen Dorf eingedrungen. Dort hatten sie zwei Männer erschossen und neun Geiseln genommen.

Ihr Befreiungsversuch endete rund 18 Stundenspäter auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck tödlich. Alle neun Geiseln, der Polizist Anton Fliegerbauer und fünf Attentäter kamen ums Leben.

Steinmeier: Deutschland sei Vertrauen 1972 nicht gerecht geworden

Bundespräsident Steinmeier bedankte sich bei den Angehörigen und dem israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog für die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung. „Ohne Sie alle, ohne die Angehörigen, ohne die Präsenz des Staates Israel war mir ein würdiges Gedenken nicht vorstellbar“, so Steinmeier er.

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„Welch riesiger Vertrauensbeweis war es, nach dem Menschheitsverbrechen der Shoah im Land der Täter an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Unter den Athleten und ihren Trainern waren auch Überlebende der Shoah“, betrachtet er rückblickend. Diesem Vertrauen sei Deutschland nicht gerecht geworden, da es auf einen solchen Anschlag nicht vorbereitet gewesen sei.

Die Gedenkfeier hatte mit einer gemeinsamen Kranzniederlegung begonnen, bei der Herzog und Steinmeier schweigend der Opfer des Attentats gedachten. Deutschlands Bemühung sich 1972 als friedfertige, freundliche Demokratie zu zeigen, sei in München tragisch gescheitert, sagte Steinmeier.

Olympia-Attentat: Weiterhin viele offene Fragen

Das Olympische Dorf sei vor 50 Jahren für die Attentäter „zur internationalen Bühne für Judenhass und Gewalt“ geworden. Steinmeier betont, dass auch nach dem Attentat Fehler gemacht worden.

Jahrzehntelang folgte auf den Anschlag Schweigen und Verdrängen. Bis heute sind nach wie vor viele Fragen offen. Ungeklärt sei, warum die überlebenden Täter so schnell abgeschoben worden sind und welche Verbindungen diese zu deutschen Extremisten hatten.

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Bundespräsident Steinmeier sagte auch, es sei gut, dass die Bundesregierung nun die Einsetzung einer israelisch-deutschen Historikerkommission vorschlage, um mehr Licht in dieses dunkle Kapitel zu bringen.

Die Hinterbliebenen der israelischen Opfer hatten sich erst vor wenigen Tagen mit der Bundesregierung auf eine Entschädigungssumme geeinigt. 28 Millionen Euro stehen nun als für das entstandene Leid fest. Davon übernimmt der Bund 22,5 Millionen, der Freistaat Bayern fünf Millionen und die Stadt München 500.000 Euro.(dpa/fmg)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.