Bundestagswahl

Laschets Taktik: Wie der CDU-Chef die Wahl gewinnen will

| Lesedauer: 5 Minuten
Miriam Hollstein
Das ist der Unions-Kanzlerkandidat: Armin Laschet

Das ist der Unions-Kanzlerkandidat- Armin Laschet

Armin Laschet ist der neue Kanzlerkandidat der Union aus CDU/CSU. Als CDU-Chef hat er sich bei der K-Frage gegen CSU-Chef Markus Söder durchgesetzt.

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Der CDU-Chef beruft seinen Ex-Widersacher Friedrich Merz in sein Wahlkampfteam. Damit bleibt er seiner wichtigsten Machttaktik treu.

Berlin. Es war ein geschickter Schachzug: Am Dienstagabend kündigte CDU-Chef Armin Laschet in einer Videoschalte mit dem baden-württembergischen Landesverband an, dass er seinen Ex-Kontrahenten Friedrich Merz in sein Wahlkampfteam holt. Der Sauerländer gehöre für ihn „fest in den Mannschaftskader der Union für die Bundestagswahl“, sagte Laschet.

Überraschend war die Ankündigung nicht. Im Kampf zwischen Laschet und CSU-Chef Markus Söder hatte sich Merz auf die Seite des NRW-Ministerpräsidenten geschlagen. Schon da lag die Vermutung nah, dass Laschet dem einstigen Rivalen um den CDU-Vorsitz signalisiert hatte, im künftigen Kabinett Verwendung für ihn zu finden.

Laschet hat dabei auch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni im Blick. Hier ist der CDU-Vorsitzende so unbeliebt, dass sich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei der K-Frage für Markus Söder ausgesprochen hatte.

Merz kommt hingegen bei der Basis gut an – wie auch in allen anderen Ost-Ländern. Er könnte Laschet helfen, den Osten nicht zu verlieren. Die Einbindung von Merz ist Teil des Plans von Laschet, mit dem er trotz schlechter Prognosen doch noch die Bundestagswahl gewinnen will. Er setzt dabei auf drei Prinzipien, die er schon häufiger in seiner Karriere erfolgreich angewendet hat.

Laschet will die unterschiedlichen Unions-Flügel einbinden

Als Laschet 2017 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wurde, holte er mit Hendrik Wüst, Karl-Josef Laumann und Herbert Reul drei CDU-Politiker ins Kabinett, die für völlig unterschiedliche Flügel in der Partei standen. Damit befriedete er die zerstrittene Landes-CDU und schaffte eine solide Grundlage für seine schwarz-gelbe Regierungskoalition, die nur eine Stimme Mehrheit hat.

Nach diesem Prinzip wird Laschet auch bei der Aufstellung seines Zukunftsteams und – im Falle eines Wahlsiegs – später bei der Kabinettsbildung verfahren. Lesen Sie auch: Berlin oder Düsseldorf: Tappt Laschet in „Röttgen-Falle“?

Dabei kann er persönliche Verletzungen gut zurückstellen. Nach seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten der Union dankte er Söder umgehend für den „fairen Umgang“, obwohl der Kampf zwischen den beiden mit allerlei schmutzigen Tricks ausgetragen worden war.

Ein Problem für Laschet: Die Namen, die für sein Zukunftsteam gehandelt werden (neben Merz unter anderen auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Laumann als Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels CDA), sind fast alles Männer aus Nordrhein-Westfalen. Laschet hat aber versprochen, sein künftiges Kabinett zur Hälfte mit Frauen zu besetzten.

Kritik an Berufung von Merz – auch jüngere Politiker fördern

Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß fordert zudem, die Jüngeren nicht aus dem Blick zu verlieren. „Ich begrüße es sehr, dass Friedrich Merz mit seiner herausragenden Kompetenz von Armin Laschet ins enge Führungsteam für den Wahlkampf geholt wird“, sagte Ploß unserer Redaktion.

„Es wäre darüber hinaus wichtig, dass auch junge Köpfe dabei sind, die Aufbruch vermitteln und neue Impulse setzen. Aus meiner Sicht sollte neben Friedrich Merz auch Carsten Linnemann eine zentrale Rolle im anstehenden Bundestagswahlkampf spielen.“

Wahlkampf der CDU: Stoisch am Profil festhalten

Wenn der Wind von vorne kommt, hält Laschet unbeirrt an seinen Positionen fest. Das war in der Pandemie so, als er für seinen Lockerungskurs heftig kritisiert wurde, das war im Landtagswahlkampf 2017 so.

Während andere Unionspolitiker wie Julia Klöckner oder Markus Söder in ihren Wahlkämpfen einen „Asylplan“ vorlegten oder heftig nach rechts blinkten, verweigerte sich Laschet solchen Manövern. Dabei kann es allerdings passieren, dass er veränderte Stimmungen verpasst.

Laschet kaschiert seine Schwächen – indem er im Team antritt

Laschet ist ein Mann der abgeleiteten Stärke. Seine eigenen Schwächen versucht er zu kompensieren, indem er sich Partner ins Team holt, die populärer sind als er. Vor vier Jahren machte er den beliebten Innenpolitiker Wolfgang Bosbach (CDU) zum Leiter einer Kommission für innere Sicherheit. Um den CDU-Vorsitz bewarb er sich mit Jens Spahn an seiner Seite. Nun also Friedrich Merz.

Der Nachteil: Im Vergleich zur noch relativ jungen Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock hat diese Personalie den Geschmack von „Zurück in die Vergangenheit“. Hier wird sich Laschet noch etwas einfallen lassen müssen. Lesen Sie dazu: „Sie redet“: Warum Laschets Angriff auf Baerbock riskant ist

Die wichtigste Frage lässt sich mit allen drei Prinzipien nicht regeln: Wie wird sich Markus Söder im Wahlkampf verhalten? Er hat kein Interesse, in ein Bundesteam eingebunden zu sein. Auch sonst dürfte seine Neigung, Laschet zum Sieg zu verhelfen, überschaubar sein.

Allerdings hat Söder derzeit andere Sorgen. Einer aktuellen Umfrage von Insa für die „Bild“ zufolge ist die CSU in Bayern im Vergleich zum Januar gerade um zehn Prozentpunkte abgesackt, kommt jetzt nur noch auf 36 Prozent.

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