Corona-Pandemie

Merkels letzte Option: Grenzkontrollen gegen Mutationen

| Lesedauer: 3 Minuten
Nach Kritik an Spahn: Corona-Mutanten werden besser untersucht

Die Bundesregierung will die Ausbreitung von hoch infektiösen Varianten des Coronavirus besser untersuchen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will dazu eine entsprechende Verordnung unterschreiben. In Deutschland war zuletzt Kritik wegen der schleppenden Genomsequenzierung laut geworden.

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Wegen der Verbreitung der Corona-Mutationen werden schärfere Reiseauflagen angewandt. Vor einer Konsequenz schreckt Merkel noch zurück.

Berlin.  Ab Dienstag dürfen Passagiere aus Brasilien nur mit einem negativen Corona-Test einreisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Sie können andernfalls den Flug nach Deutschland gar nicht erst antreten.

Die besonders strenge Testpflicht gilt für Gebiete, in dem neue, hochansteckende Virus-Varianten kursieren, bislang Großbritannien, Irland und Südafrika. Wie es in Regierungskreise heißt, dürften im Laufe der Woche weitere Staaten hinzukommen.

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Drei Hotspots: Israel, Tschechien und Portugal

Generell erlaubt die jüngst in Kraft getretene Verordnung solche Auflagen zusätzlich für Einreisen aus Corona-Risikogebieten mit vielen Infektionen, genauer gesagt: mit einer Inzidenz von über 200 Fällen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

„Auslandsreisen in Risikogebiete passen nicht zur Pandemielage“, mahnt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Virusmutationen seien eine zusätzliche Gefahr. Ihre Ausbreitung in Deutschland „müssen wir soweit wie möglich verhindern“

Außerhalb Europas fällt vor allem Israel mit einer Inzidenz von 697,5 auf. In der EU sind Tschechien mit 542,3 und Portugal mit 643,3 die Sorgenkinder.

Söder bringt Grenzkontrollen ins Spiel

Auf Tschechien spielte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wohl auch an, als er am Sonntag eine einheitliche europäische Strategie anmahnte. Andernfalls „wären Grenzkontrollen sinnvoll“, so Söder.

Ein Signal, das sein Parteifreund und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufmerksam registriert hat. Intern tritt Seehofer dafür ein, die Grenzkontrollen zu verschärfen, um die Einhaltung der Reiseauflagen zu überprüfen.

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Merkel dringt auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen

Traditionell achtet die Bundesregierung darauf, dass dies nur im Konsens mit den Ministerpräsidenten der jeweiligen Bundesländer geschieht, im Fall von Tschechien eben Bayern und Sachsen. Bei allen anderen Nachbarn ist die Inzidenz entweder klar unter der 200er-Grenze oder knapp darüber wie im Fall der Schweiz (200,4) und der Niederlande (227,5).

Das Coronavirus mutiert
Das Coronavirus mutiert

Transitstaaten für die Virusmutation?

Im Kabinett hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Medienberichten zuletzt die Frage aufgeworfen, ob man Kontrollen an der Grenze nach Frankreich einrichten müsse, falls das Nachbarland die Einreisen aus Irland nicht unterbinde. Am Donnerstag will sie auf einem EU-Rat ein gemeinsames Vorgehen gegen die Pandemie anmahnen und im Lichte des Ergebnisses Grenzkontrollen prüfen.

Portugal hat Tschechien abgelöst

In der EU hat Portugal inzwischen Tschechien als Hotspot abgelöst. Im südeuropäischen Land sind nach Angaben des nationalen Gesundheitsinstituts 72 Fälle der in Großbritannien bekannt gewordenen Mutation nachgewiesen worden. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 20.

Die Briten sind die drittgrößte Ausländergruppe in Portugal, nach den Kapverden und Brasilien auf Platz eins. In Brasilien sind gefährliche Corona-Mutationen entdeckt worden. Traditionell ist das ehemalige Kolonialland Portugal für Brasilianer das Tor nach Europa.

Über 400.000 Flugpassagiere in der Woche

Die Zahl der Flugpassagiere ist in Deutschland zum Jahreswechsel zwar dramatisch gesunken, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 88 Prozent. Aber: Es waren immer noch 443.194 Passagiere allein in der Woche vom 28. Dezember 2020 bis zum 3. Januar. Dazu kommen die Individualreisen innerhalb Europas mit Bus, Bahn und Auto, teilweise aus Herkunftsstaaten mit hohen Inzidenzen wie Slowenien (470,1), Spanien (428,5), Schweden (329), die Slowakei (277) oder die drei baltischen Staaten Lettland (319,7), Litauen (280,8) und Estland (268,2).

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