Coronavirus

So leben die Menschen in der abgeriegelten Stadt Wuhan

Nichts geht mehr in der chinesischen Millionenstadt. Wuhan steht unter Quarantäne – das Coronavirus breitet sich trotzdem weiter aus.

China kämpft gegen das Coronavirus

Die Bemühungen der chinesischen Behörden zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus laufen auf Hochtouren: Bereits in mehr als einem Dutzend Städten wurde der öffentliche Verkehr ausgesetzt. Doch das ist nur eine von vielen Maßnahmen.

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Wuhan/Peking. Dutzende Bagger wühlen die rote Lehmerde auf, dicht an dicht gedrängt arbeiten sie auf der Brachfläche. In nur einer Woche errichtet die Lokalregierung von Wuhan ein Krankenhaus mit über 1000 Betten, um dem riesigen Ansturm der Patienten nachzukommen. Noch vor Ende des Monats soll die Klinik im Einsatz sein.

Wie notwendig solch eine Maßnahme ist, zeigen die Aufnahmen, die auf den sozialen Netzwerken aus der Elf-Millionen-Metropole kursieren: Sie zeigen überfüllte Wartehallen von Kliniken, vor Erschöpfung auf dem Boden liegende Menschen sowie andere, die trotz schwerer Symptome aus Platzmangel nach Hause geschickt werden müssen. Seit dem Ausbruch der Atemwegserkrankungen wurden in China 830 Infektionen bestätigt, 26 Menschen starben an der Infektion.

Ohne Frage: Die zentralchinesische Stadt Wuhan, von wo aus sich der neuartige Coronavirus verbreitet hat, befindet sich im Ausnahmezustand. Seit Donnerstag geht es für die meisten Bewohner weder rein noch raus, die U-Bahnen fahren nicht mehr, die Ausfallstraßen sind abgesperrt. Ab Freitag hat sich auch die Versorgungslage in einigen Bezirken verschärft: Reporter berichten von leeren Supermarktregalen, die nur mehr vereinzelte Salatköpfe verkaufen – für umgerechnet über fünf Euro das Stück.

Die Regierung in Peking behauptet, alles sei unter Kontrolle

Auf Twitter schreibt Qinqing Chen, die Chefreporterin der staatlichen „Global Times“, dass ihr die Einwohner von Wuhan und der umliegenden Provinz Hubei leidtun würden: „Viele von ihnen haben bis zum Donnerstag nicht realisiert, dass der Coronavirus eine große Gesundheitskrise darstellt – obwohl die ersten Infektionen bereits Mitte Dezember erfolgt sind.“

Daran ist insbesondere die streng zensierte Informationspolitik der Zen­tralregierung in Peking schuld. Die Abendnachrichten berichten noch immer vor allem über die Feierlichkeiten des chinesischen Neujahrsfestes. Noch immer lautet die offizielle Botschaft, dass alles unter Kontrolle sei.

Es ist ein doppeltes Spiel: Zu Recht wird die chinesische Regierung dafür gelobt , dass sie im Vergleich zur Sars-Epidemie von 2002 transparenter agiere und offener mit internationalen Gesundheitsorganisationen kooperiere. Doch im Inneren zeigt sich, dass ein totalitäres System ohne freie Medien bei Transparenzfragen an seine Grenzen kommt.

Parteikader feierten in Wuhan noch Neujahrsgala

Vor allem die Lokalbehörden in Wuhan haben zu Beginn des Virusausbruchs geradezu naiv-optimistisch, wenn nicht gar fahrlässig gehandelt. Noch am Sonntag hat die Regierung in Wuhan etwa ein Neujahrsbankett mit mehr als 10.000 Familien organisiert, die gemeinsam speisten und tranken – nur vier Tage bevor die Stadt unter Quarantäne gestellt wurde.

Den Dienstagabend schließlich verbrachten die obersten Parteikader aus der Hubei-Provinz auf einem Neujahrsgalaabend, bei dem gesungen und getanzt wurde – zur gleichen Zeit also, als sich in der Stadt bereits eine schwerwiegende Gesundheitskrise ausbreitete. Die Tanzgruppe des Abends postete auf ihrem Social-Media-Account, dass einige der Künstlerinnen sich an jenem Abend bereits unwohl gefühlt hatten und über Erkältungen klagten.

Coronavirus: Chinesische Metropole Wuhan unter Quarantäne
Coronavirus- Chinesische Metropole Wuhan unter Quarantäne

Am Donnerstagmorgen schließlich sperrten die Behörden Wuhan von der Außenwelt ab. Dem sind bislang rund ein Dutzend weitere Nachbarstädte gefolgt, die ebenfalls Reiserestriktionen ausgesprochen haben. Mit dem Landkreis Guangshan in der Provinz Henan sind die Quarantänemaßnahmen am Freitag schließlich auch über die Provinzgrenzen Hubeis hinausgelangt. Mehr als 41 Millionen Menschen sind von diesen Vorsichtsmaßnahmen bislang betroffen.

Japan in Sorge wegen Olympischer Spiele

Doch das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein. Im mehrere Zugstunden entfernten Shanghai hat die Lokalregierung mehrere Museen, Kinos und das örtliche Disneyland geschlossen. Chinas Hauptstadt Peking zeigte sich am Freitag zwar ruhig, doch auch hier wurden fast sämtliche Touristenattraktionen – wie etwa die Verbotene Stadt – gesperrt. Zudem ließ die chinesische Basketballvereinigung sämtliche Ligaspiele ab dem 1. Februar streichen.

Während Deutschland bislang noch keine Reisewarnung für die Region ausgesendet hat, haben dies sowohl die Vereinigten Staaten als auch Japan bereits getan. Vor allem die Regierung in Japan dürfte die Ausbreitung des Coronavirus mit Argusaugen verfolgen, schließlich finden in Tokio in ziemlich genau sechs Monaten die Olympischen Spiele statt. Coronavirus- Ein Virologie-Experte erklärt, warum man in Deutschland keine Angst haben muss

Bislang bestätigte Japan bereits zwei vom Virus infizierte Menschen. Zum Vergleich: 2002 bei der Sars-Epidemie hat es rund ein halbes Jahr gedauert, ehe der Virus als eingedämmt galt.

Rückblickend betrachtet hätten gegen den mysteriösen Coronavirus in Wuhan bereits früher Maßnahmen getroffen werden können: Schon Anfang Januar hatten einige Bewohner Wuhans online über die Ausbreitung einer Lungenseuche geklagt. Die Beschuldigten wurden damals jedoch verhaftet – wegen des Verbreitens von Gerüchten.

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Auch außerhalb Chinas geht die Sorge um. So schützt sich Deutschland vor dem Coronavirus. Doch woran erkennt man die Lungenkrankheit überhaupt? Diese Symptome treten bei einer Infektion mit dem Coronavirus auf. Hierzulande bereitet ein anderer Erreger akut mehr Sorge. Die Grippewelle ist in Deutschland gestartet und hat schon 32 Todesfälle nach sich gezogen.

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