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Coronavirus: So schützt sich Deutschland vor der Krankheit

In China nimmt die Zahl der Corona-Infizierten zu. Deutsche Städte ergreifen erste Schutzmaßnahmen. Vor allem Essen sticht hervor.

Coronavirus: Ein Virologie-Experte erklärt, warum man in Deutschland keine Angst haben muss

In China wächst die Angst vor dem neuartigen Coronavirus. In Deutschland sind die Risiken bisher überschaubar, erklärt der Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten.

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Berlin. Nicht nur in China sorgt das Coronavirus für Unruhe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zwar vorläufig entschieden, dass der aktuelle Ausbruch des neuen Virus in China keine globale Gefahr darstellt. Doch die Deutschen treffen nun erste Maßnahmen, um sich gegen das Coronavirus zu wappnen. Ein Überblick, was verschiedene Städte planen.

Corona-Virus: Berliner Flughäfen sind vorbereitet

Für den Fall eines Seuchenverdachts werden in Berlin an verschiedenen Stellen Maßnahmen eingeleitet. Auch die Flughäfen sind wachsam. „Natürlich ist man als großer Verkehrsflughafen auf Seuchenverdachtsfälle vorbereitet“, sagt Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg im Gespräch mit unserer Redaktion.

Erscheint ein potenziell mit dem Coronavirus Infizierter in Schönefeld oder Tegel, würde er ganz grundsätzlich „natürlich isoliert und in Absprache mit dem Rettungsdienst und den zuständigen Amtsärzten ins Krankenhaus gebracht werden.“ Im Zweifel würde man auch das Terminal räumen.

Jeder Rettungswagen sei mittlerweile mit geeigneter Schutzkleidung ausgerüstet. Außerdem verfüge die Feuerwehr über ein spezielles luftdichtes Fahrzeug zum Transport entsprechend Erkrankter. Sie würden dann zum Charité-Klinikum gebracht werden.

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Charité hat alle Testsysteme hochgefahren

Dort sei man für eine solche Situation gut aufgestellt, schreibt die Klinik in einer Pressemitteilung. „Verdachtsfälle können in sehr kurzer Zeit diagnostisch abgeklärt werden. Bei nachgewiesener Infektion würden diese Patienten isoliert.“ Eine Behandlung unter Isolierbedingungen sei in verschiedenen Bereichen der Klinik möglich. „Der Umgang mit den Patienten hinsichtlich Isolationsmaßnahmen wäre vergleichbar mit Patienten, die an einer resistenten Tuberkulose erkrankt sind.“

Christian Drosten, der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, betonte gegenüber dem Deutschlandfunk ebenfalls, dass sich die Deutschen keine Sorgen um die eigene Gesundheit machen müssten. „Es ist vielmehr so, dass jetzt die Zeit ist, in der Medizinstruktur in ganz Deutschland aufmerksam zu sein und sich zumindest beginnen vorzubereiten“, sagte Drosten. An der Charité habe man bereits alle Testsysteme hochgefahren, um die Krankheit frühzeitig zu erkennen. Lesen Sie hier: Der zweite Teil unseres Coronavirus-Newsblogs.

Hamburger Flughafen trifft keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen

In Hamburg wäre das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) für die Versorgung der Infizierten zuständig. Die Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten am UKE, Marylyn Addo, sieht Hamburg ebenfalls gut vorbereitet. „Wir haben unser Personal geschult und wissen, worauf wir achten müssen“, sagte sie im Gespräch mit dem NDR. Betroffene Patienten würden dann isoliert.

„Wir sind gut dafür gerüstet, dass sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann – falls es überhaupt in Deutschland ankommen sollte.“ Die Expertin geht wie viele ihrer Kollegen davon aus, dass sich das Coronavirus nur in Einzelfällen von Mensch zu Mensch überträgt.

Am Hamburger Flughafen gibt es derzeit keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Die Gesundheitsbehörde holt allerdings mehrmals täglich neue Informationen ein. „Das Risiko, dass diese Krankheit hierher kommt, ist gering“, sagte Martin Dirksen-Fischer vom Hamburg Port Health Center im Gespräch mit dem NDR. „Und die Weiterverbreitungsmöglichkeiten werden als sehr gering eingeschätzt.“ Hamburg hat keine direkte Flugverbindung in die zentralchinesische Millionenmetropole Wuhan, wo das Virus seinen Ursprung haben soll.

Duisburg ist Partnerstadt von Wuhan

Das Ruhrgebiet hat eine ganz besondere Beziehung zu dieser Stadt. Duisburg ist die Partnerstadt von Wuhan und über eine Güterzugstrecke der Neuen Seidenstraße direkt an Wuthan angebunden. Allerdings sind die Züge nur mit zwei Personen bemannt, die wegen der Reisedauer vermutlich bereits in Russland erkranken würden.

Ein reger Forschungs- und Wirtschaftsaustausch zwischen Duisburg und Wuhan birgt theoretisch das Risiko einer Einschleppung– aber auch die Chance, immer auf dem medizinisch neuesten Stand zu sein. Denn die Virologen der Uniklinik bekommen alle Infos aus erster Hand, weil sie mit den Kollegen in Wuhan bestens vernetzt sind.

Ärzte in China und Deutschland arbeiten eng zusammen

Mengji Lu, Viruloge an der Essener Uniklinik, kennt die Ärztin, die in Wuhan verantwortlich ist, sehr gut. Xin Zheng war die erste chinesische Studentin, die 1997 in Essen bei ihm promoviert hat. Er telefoniere regelmäßig mit ihr. Die chinesischen Kollegen haben längst eine digitale Sequenz des Virus geschickt, mit Anleitungen, welche Stücke davon zur Bestimmung genutzt werden. Auch Anweisungen, wie man Patienten behandelt, sind dabei.

Sollten die Chinesen ein geeignetes Medikament finden, würde Essen es auch sofort bekommen. Solange das noch nicht der Fall ist, werden nur die Symptome behandelt: Sauerstoff, Flüssigkeitshaushalt, vor allem muss das Immunsystem reguliert werden, damit es nicht zu stark oder zu schwach reagiert.

Essener Arzt sorgt sich um seine Frau in Wuhan

Mengji Lus Frau Shaoping ist selbst vor eineinhalb Wochen nach Wuhan gereist, um dort das chinesische Neujahrsfest mit ihrer Familie zu feiern. Sie konnte ausreisen, bevor die Stadt abgeriegelt wurde und befindet sich nun 200 km entfernt von Wuhan. „Dass sich die Infektion in diesem Ausmaß ausbreiten würde, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt der Viruloge.

Sobald seine Frau wieder in Deutschland ist, werde sie sich zu Hause freiwillig unter Quarantäne stellen und erst zur Arbeit gehen, wenn eine Infektion sicher ausgeschlossen werden kann. Ansonsten hält sich Shaoping Lu an die Ratschläge, die ihr Mann auch allen anderen möglicherweise Betroffenen gibt: Mundschutz, Händewaschen, Menschenmengen meiden.Letzter Flug aus Wuhan- Wir wurden untersucht

Bundesregierung sieht keine akute Gefahr durch Corona-Virus

Die Infizierten haben laut der WHO Atemwegsprobleme, Fieber, Husten und leiden unter Kurzatmigkeit. Ob das Virus überhaupt nach Deutschland verschleppt wird, ist fraglich. Nach Einschätzung der Bundesregierung besteht derzeit keine akute Gefahr.

Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, wonach das Risiko für Deutschland „sehr gering“ sei. Der Ausbruch der Krankheit sei aber „Grund für besondere Beobachtungen und Analysen“. Stattdessen hat die Grippewelle in Deutschland begonnen und bereits zu 32 Todesfällen geführt.