Verbrechensbekämpfung

Ermittler: Fingerabdrücke von Flüchtlingen oft unbrauchbar

Flüchtlinge müssen bei ihrer Ankunft ihre Fingerabdrücke nehmen lassen. Doch für die Verbrechensbekämpfung sind die oft zu schlecht.

Die Fingerabdrücke eines Flüchtlings werden in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Bamberg registriert. (Archivbild)

Die Fingerabdrücke eines Flüchtlings werden in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Bamberg registriert. (Archivbild)

Foto: imago stock&people / imago/Sebastian Widmann

Nürnberg.  Die hierzulande genommenen Fingerabdrücke von Flüchtlingen sind nur bedingt für polizeiliche Ermittlungen geeignet. Vor allem für den Vergleich mit Abdrücken von Kriminalitäts-Tatorten reicht die Qualität nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht immer aus.

„Bei der Fingerabdrucknahme im Bundesamt kann es vorkommen, dass Teilbereiche einzelner Finger nicht in optimaler Qualität – für jeden Zweck – gescannt werden“, teilte eine BAMF-Sprecherin am Dienstag mit.

Qualität reicht für Identitätsfeststellung

Für die Identitätsfeststellung reiche die Qualität der Fingerabdrücke jedoch aus, betonte sie. „Diesen Zweck erfüllt das aufgespielte System sehr gut, so dass bisher keine Nachteile für die Feststellung der Identität einer Person (Fast-ID-Verfahren) bekannt sind.“

Der WDR hatte am Wochenende berichtet, dass rund 30 Prozent der Bilder von Fingerabdrücken, die im Auftrag des BAMF genommen werden, zu dunkel, verwischt oder lückenhaft seien. „Eine fehlerfreie Bereitstellung der Fingerabdruck-Daten in allen relevanten Systemen ist nicht möglich“, heiße es in einem internen Schreiben der Sicherheitsbehörden.

Oft nur kleine Teile des Abdrucks am Tatort

Das BAMF nimmt Abdrücke von allen zehn Fingern und der ganzen Hand. Stichprobenartige Analysen des Bundeskriminalamtes (BKA) hätten gezeigt, dass die Bilder von zwei bis drei der zehn Finger pro Flüchtling für Tatort-Abgleiche in unterschiedlichem Maße unbrauchbar sein können, hieß es vom BAMF. Denn an Tatorten finden sich oft nur kleine Teile eines Fingerabdrucks. Und genau dieser Teil muss dann für den Vergleich zur Verfügung stehen.

An der „weiteren Optimierung des Verfahrens“ arbeite derzeit eine vom Bundesinnenministerium eingerichtete Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Bundesdruckerei, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und BKA. (dpa)

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