Abgeordnetenhauswahl

So stellen sich die Kandidaten zur Schau

| Lesedauer: 4 Minuten
Christine Richter
Wahlplakate von CDU (von oben nach unten), Die Linke und SPD zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses hängen am 03.08.2016 in Berlin an einem Laternenpfahl. Foto: Wolfram Kastl/dpa (zu dpa „Plakate zur Wahl in Berlin: Schlaue Ideen, aber wenig Neues“ vom 04.08.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Wahlplakate von CDU (von oben nach unten), Die Linke und SPD zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses hängen am 03.08.2016 in Berlin an einem Laternenpfahl. Foto: Wolfram Kastl/dpa (zu dpa „Plakate zur Wahl in Berlin: Schlaue Ideen, aber wenig Neues“ vom 04.08.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Wolfram Kastl / dpa

Die Plakate für die Abgeordnetenhauswahl hängen in Berlin aus. Jetzt muss man sich nur noch entscheiden, kommentiert Christine Richter.

„Wen wählst du?“ Diese Frage habe ich noch nie so häufig gehört wie in diesem Jahr. Klar, es gilt das Wahlgeheimnis. Aber im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Familie erzählen wir uns schon, wem wir unsere Stimme bei der nächsten Wahl geben wollen. Die Antwort fällt in diesem Jahr auch meist gleich aus: „Ich weiß nicht, wen ich wählen soll ...“ Ich weiß es auch noch nicht. Nur meine Erststimme, da habe ich mich schon festgelegt. Die gebe ich dem Abgeordneten in Prenzlauer Berg, der in den vergangenen fünf Jahren gute Arbeit – finde ich – im Berliner Abgeordnetenhaus gemacht hat. Den kenne ich, da brauche ich auch kein Plakat mit seinem Foto, um meine Entscheidung zu treffen.

Seit einer Woche dürfen die Parteien ja ihre Plakate aufhängen, um auf sich und ihre Kandidaten aufmerksam zu machen. In der Nacht zum 31. Juli waren viele Bewerber mit ihren Teams unterwegs, denn es galt, sich die besten Plätze an Straßenlaternen und Kreuzungen zu sichern. Und wie in jedem Wahljahr wurde anschließend wieder heftig geschimpft, dass der eine oder andere Kandidat schon früher losgezogen war und den vermeintlich besten Platz besetzt hatte, dass die Plakate zu niedrig angebracht wurden, dass die andere Partei nicht die Wahrheit sagt. So schimpfte der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz über den CDU-Kandidaten Gerhard Hanke in Spandau, auf dessen Plakat „Ihr Bürgermeister“ prangt. Das ist in Spandau aber Helmut Kleebank von der SPD, Hanke will es erst werden. Ob’s den Spandauer stört? Der ist schlau und weiß, wer sein Bürgermeister ist.

Müller hat sein Ziel erreicht

Für ein bisschen Wirbel haben in den vergangenen Tagen auch die Großflächenplakate der Parteien gesorgt, besonders die von Michael Müller (SPD). Der Regierende Bürgermeister ist auf dem ersten, von ihm präsentierten Plakat nur verschwommen und klein, eine Rolltreppe herauffahrend zu sehen. Im Vordergrund eine Frau mit Kopftuch, die man von hinten sieht und die die Rolltreppe hinunterfährt. Dazu steht nur „Müller, Berlin“. Auf das SPD-Logo verzichtet Müller ganz. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Von „Unfassbar, jetzt wirbt Müller noch für das Kopftuch“ über „Das Kopftuch als Zeichen für Weltoffenheit?“ bis „Berliner SPD zeigt Haltung“ war alles dabei.

Für Müller und sein Team ist das Ziel erreicht: Man redet über das weltoffene Berlin, man setzt sich mit dem Thema Muslime in Berlin auseinander, natürlich auch mit Ausländerfeindlichkeit – und vor allem über Müller und sein Plakat wird in Berlin diskutiert. Im Gespräch bleiben, Aufmerksamkeit erzielen, darum geht es den Parteistrategen in diesen Wochen. Ob Müllers Kopftuch-Plakat so in Erinnerung bleiben wird wie jenes Großplakat von Klaus Wowereit und dem Kind, das mit einem Krokodil („Schnappi“) nach Wowereits Nase schnappte? Das hatte gar keine Aussage, außer Wowereit als netten Typen zu zeigen, und war doch das Plakat, das alle mochten und ihm wohl die eine oder andere Stimme einbrachte.

Henkel wirbt mit Sohn

Frank Henkel, der CDU-Spitzenkandidat, ist auf den Großplakaten ganz scharf und im Vordergrund zu sehen. Das freundlichste zeigt ihn mit einem Jungen auf den Schultern. Es ist sein Sohn. Aber weil man Kinder heute ja in der Öffentlichkeit schützt, ist der Kopf auf dem Foto angeschnitten, der Sohn nicht zu erkennen. Ansonsten wirbt die CDU für Videoüberwachung, bessere Schulen und Gymnasien und mehr Arbeitsplätze. Klare Aussagen, schnörkellose Plakate – und jede Menge Köpfe von Kandidaten, die man schon mal oder noch nie gesehen hat. Wie bei allen anderen Parteien auch.

Hübsch finde ich dann noch das SPD-Plakat mit dem Spruch: „Berlin bleibt fleißig.“ Bleibt? Habe ich etwas verpasst? Woran die Macher da wohl gedacht haben? Meine Facebook-Freunde spekulieren, es seien die Schwaben in Berlin gemeint. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß ja auch noch nicht, wem ich meine Stimme gebe. Noch ist Zeit. Sechs Wochen bis zum 18. September.

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