Euro 2016

Von Storch erntet Shitstorm nach Nationalmannschafts-Tweet

Für viele sind entweder der Schiedsrichter oder die Hand von Schweinsteiger Schuld am EM-Aus. Nicht für AfD-Frau Beatrix von Storch.

Beatrix von Storch steht nach einem Twitter-Beitrag in der Kritik.

Beatrix von Storch steht nach einem Twitter-Beitrag in der Kritik.

Foto: Müller Stauffenberg / imago

Berlin.  Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat mit einem Beitrag beim Kurznachrichtendienst Twitter erneut für Diskussionen gesorgt. Sie nutzte das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft für einen Tweet, der gegen alle Einschätzungen von Sportreportern spricht und den Beobachter für geschmacklos halten.

In ihrem Tweet schrieb von Storch: „Vielleicht sollte nächstes mal dann wieder die deutsche NATIONALMANNSCHAFT spielen?“ Viele Twitter-Nutzer interpretierten das groß geschriebene Wort Nationalmannschaft als Hinweis darauf, dass von Storch mit dem Aufgebot nicht zufrieden war, ihr zu viele Spieler mit Migrationshintergrund dabei gewesen waren. Dass für das Ausscheiden der Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Frankreich nach einhelliger Meinung das Handspiel von Bastian Schweinsteiger und die zahlreichen Verletztungen verantwortlich waren, ist aus dem Tweet hingegen nicht zu lesen. Womöglich von der Kritik überrascht, löschte Beatrix von Storch am Freitagvormittag ihren Tweet. Stattdessen ruderte sie in einem Facebook-Beitrag zurück und erklärte, dass die Medien den Beitrag wohl falsch verstanden hätten.

Als Antwort auf den gelöschten Ausgangsbeitrag kommentiert eine Nutzerin, dass die Nationalmannschaft in dem Turnier mehr getan habe, als von Storch jemals erreichen könne:

Politiker und Musiker finden deutliche Worte

Andere Nutzer sind in ihrem Urteil über von Storch deutlicher. Der Abgeordnete des Bundestages Özcan Mutlu hält von Storchs Tweet und sie selbst für rassistisch.

Der Rapper MoTrip, der als Kind mit seiner Familie aus dem Libanon geflüchtet ist, hält den Beitrag für ekelerregend.

Dass man neben einer kritischen Auseinandersetzung den Tweets der AfD-Politikerin auch anders begegnen kann, deutet der Moderator Jan Böhmermann an. Er empfiehlt die Beiträge der Politikerin einfach zu ignorieren. Dieser Meinung sind auch die Macher des Satiremagazins „extra 3“.

Es ist nicht das erste Mal, dass AfD-Politiker die Fußball-Europameisterschaft für populistische Stellungnahmen nutzen. So hatte zu Beginn des Turniers eine Aussage des brandenburgischen AfD-Chefs Alexander Gauland für Diskussionen gesorgt. In einem Zeitungsinterview hatte Gauland gesagt, dass er sich nicht vorstellen könne, dass viele Deutsche Jerome Boateng als Nachbarn haben wollten. In Reaktion darauf äußerten sich Tausende Menschen in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #MeinNachbar zu dem Gauland-Kommentar. Die Diskussion zeigte, dass Jerome Boateng keine Probleme haben dürfte, neue Nachbarn zu finden – Angebote von potenziellen Nachbarn gab es zuhauf.

Update: In einer früheren Version dieses Textes war der Tweet von Beatrix von Storch noch im Original zu lesen. Nach der Löschung des Beitrages bleibt zumindest der Text zu Dokumentationszwecken erhalten.