Videoüberwachung

Warum die Sicherheitsoffensive bei der S-Bahn überfällig war

Warum erst jetzt, möchte man fragen. Was die BVG seit Jahren vormacht, setzt nun auch die S-Bahn um und nutzt Kameras zur Überwachung.

Es wirkt wie ein gezieltes Timing, um die große Koalition in Berlin vorzuführen. Doch es ist Zufall: Nur einen Tag nachdem SPD und CDU das Vorhaben einer Videoüberwachung öffentlicher Plätze gegen die Wand gefahren haben, gibt die Deutsche Bahn bekannt, dass die Bundespolizei ab sofort fast die Hälfte aller S-Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg per Videokamera überwachen kann.

Warum erst jetzt, möchte man fragen. Denn das Beispiel der BVG, die schon seit Jahren Kameras einsetzt, zeigt, dass damit Straftäter überführt werden. Nach der Veröffentlichung ihrer Fotos stellen sich die Randalierer und Schläger meist sogar freiwillig. Ob die Videotechnik auch präventiv wirkt, ist unklar – und so wird es bleiben. Denn die Frage, „Haben Sie die Faust deswegen in der Tasche gelassen, weil dort eine Kamera war?“, wird man potenziellen Gewalttätern kaum stellen können.

Intime Momente lassen sich vermeiden

Die anfänglichen Bedenken gegen die Videotechnik in öffentlichen Verkehrsmitteln sind dagegen weitgehend zerstreut. Datenschützer wiesen zwar anfangs – das ist ihr Job – auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hin. Die meisten Fahrgäste haben gegen die Kameras mittlerweile aber nichts einzuwenden. Verständlich. Denn wer U- oder S-Bahn fährt, kann sich darauf einstellen, gefilmt zu werden. Eine Fahrt dauert zudem nicht ewig. Intime Momente, bei denen man kein Publikum wünscht, lassen sich vermeiden.

Bei dem an Koalitionsquerelen gescheiterten Vorhaben einer Überwachung des öffentlichen Straßenlandes ist das anders. Kameras mal hier, mal dort – heute am Alex, morgen am Zoo, übermorgen in Wohngebieten – wären weniger berechenbar. Es gäbe keine klare Grenze. Ohne ausführliche Diskussion sollte man eine solche Überwachung kurz vor der Wahl nicht durchs Parlament peitschen. Über die Bilder von Straftätern, die nun nicht nur bei der BVG, sondern auch in der S-Bahn durch Kameras überführt werden, darf man dagegen schon jetzt froh sein.