Sicherheitsoffensive

Auf diesen Bahnhöfen weitet die S-Bahn die Überwachung aus

Die Deutsche Bahn startet eine Sicherheitsoffensive. Ab sofort kann die Polizei auf Bilder von rund 600 Bahnsteigkameras zugreifen.

Die Karte zeigt im Detail, auf welchen Bahnhöfen die S-Bahn die Überwachung ausweitet

Die Karte zeigt im Detail, auf welchen Bahnhöfen die S-Bahn die Überwachung ausweitet

Bei der Berliner S-Bahn wird die Videoüberwachung jetzt massiv ausgeweitet. Unmittelbar nachdem der Senat mit seinen Plänen für mehr Überwachungseinsätze im öffentlichen Raum an politischen Querelen gescheitert ist, hat die für die Bahnhöfe zuständige Deutsche Bahn (DB) eine Sicherheitsoffensive gestartet. Demnach kann die Bundespolizei ab sofort an 71 S-Bahnstationen in Berlin und Brandenburg auf Bilder von rund 600 Bahnsteigkameras zugreifen, die eigentlich für die Zugabfertigung eingesetzt werden. Das bestätigte ein Sprecher der Bahn der Berliner Morgenpost.

Mit einem Schlag wird so fast die Hälfte der 166 S-Bahnhöfe in die Überwachung einbezogen. „Damit lösen wir unsere Zusage ein, die Videotechnik auf Berliner Bahnhöfen nach und nach auszubauen und mehr Sicherheit für unsere Kunden zu schaffen“, sagt DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke.

Sicherheitsexperten skeptisch

Bislang hat die Bundespolizei lediglich zehn sogenannte Misch-Bahnhöfe im Kamerablick, an denen sowohl Fern- und Regionalzüge also auch S-Bahnen halten. Dazu gehören etwa der Hauptbahnhof und die Stationen Friedrichstraße, Alexanderplatz oder Zoologischer Garten. Nun kommen zahlreiche Stationen dazu: Darunter fast alle Bahnhöfe an der viel befahrenen Ringbahn.

Anders als etwa der Hauptbahnhof befinden sich diese Stationen aber nicht permanent in der Überwachung. Die Bilder der Kameras können nur im Nachhinein von der Polizei ausgewertet werden. Die Gefahr für Kriminelle, später auf ihnen erkannt und für Taten zur Verantwortung gezogen zu werden, wächst damit. Ob dies auch eine präventive Wirkung hat, ist unter Sicherheitsexperten jedoch umstritten.

>> Warum die Sicherheitsoffensive bei der S-Bahn überfällig war

Die Ausweitung der Videoüberwachung im S-Bahnbereich hatte Rischke bereits im Mai angekündigt. Für die Umsetzung fehlte damals aber noch eine Vereinbarung mit der Bundespolizei. Diese sei jetzt unterschrieben worden, so der Bahnsprecher. Die Vereinbarung sichert ab, dass keine Bahnmitarbeiter Zugriff auf die Aufnahmen haben. Lediglich Bundespolizisten dürfen die Bilder abrufen. Datenschützer und Arbeitnehmervertreter haben dies zur Bedingung für ihre Zustimmung zur Nutzung der Kamerabilder gemacht.

Vergleichsweise geringe Zahl

Eigentlich gelten die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin als sehr sicher. Rund 4700 Straftaten wurden im Vorjahr registriert, darunter 2400 Körperverletzungen. Für eine Millionenstadt wie Berlin ist das eine vergleichsweise geringe Zahl. Allerdings gibt es immer wieder spektakuläre Fälle, die das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste nachhaltig beeinflussen.

Einige Gewaltvorfälle sorgten sogar bundesweit für Aufsehen. Etwa die Attacke im U-Bahnhof Friedrichstraße, als ein 28-Jähriger einen Unbeteiligten ins Koma prügelte, oder der rüde Angriff auf einen behinderten Fußballfan am S-Bahnhof Olympiastadion im Oktober 2012. Zuletzt ist auch die Zahl der Taschendiebstähle in Bussen und Bahnen stark angestiegen.

Während die landeseigenen Verkehrsbetriebe (BVG) bereits seit vielen Jahren alle ihre 173 U-Bahnhöfe und fast alle ihre Busse und Bahnen überwachen lassen, ist die Berliner S-Bahn bislang weitgehend kamerafrei. Zumindest für die Bahnhöfe soll sich das jedoch ändern. So werden in zwölf Stationen neue Kameras installiert werden, die nicht nur auf den Bahnsteigen, sondern auch in den Zugangsbereichen Bilder aufzeichnen. Insgesamt investiert die Bahn fünf Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr in den Ausbau der Videoüberwachung. Die Züge der S-Bahn bleiben indes weiter kamerafrei.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb verfolgt die Entwicklung mit Skepsis. Zwar ist er nicht grundsätzlich gegen die Videoüberwachung. Dennoch wünschen sich die Fahrgastvertreter wieder mehr ständig ansprechbares Personal auf den S-Bahnhöfen. Die Bahn verweist hingegen darauf, dass in der Region täglich rund 500 Sicherheitskräfte im Einsatz sind.

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