Ermittlungen

Bombe in Bonn hatte terroristisches Motiv

Nach dem Sprengstofffund am Bonner Hauptbahnhof gibt es Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Foto: Meike Böschemeyer / dpa

Die Bundesanwaltschaft hat nach dem Fund einer Bombe am Bonner Hauptbahnhof die Ermittlungen übernommen. „Es liegen nunmehr zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Geschehen um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung handelt“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Der Karlsruher Behörde zufolge liegen „belastbare Hinweise“ dafür vor, dass der unbekannte Mann, der die Bombe am Montagmittag an Gleis eins des Bonner Bahnhofs abgestellt hatte, „über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt“.

Der Sprengsatz war am Montag in einer Tasche auf einem Bahnsteig im Bonner Hauptbahnhof entdeckt worden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe die Bombe eine zündfähige Sprengstoffvorrichtung und zündfähiges Ammoniumnitrat enthalten, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Offenbar Fernzündung geplant

Zu Medienberichten, wonach der Sprengsatz von Unbekannten ferngezündet werden sollte, erklärte die Kölner Polizei, dies sei eine von mehreren Ermittlungsthesen. Es seien aber weitere Untersuchungen des Landeskriminalamtes nötig, um sie zu überprüfen.

Der WDR hatte zuvor berichtet, die Bombe sei von unbekannten Täter offenbar ferngezündet worden. Allerdings habe die Zündung wahrscheinlich keine Detonation ausgelöst, weil die Bombe nicht fachgerecht zusammengebaut gewesen war.

Wie der WDR weiter berichtete, soll die Bombe aus sicherer Entfernung gezündet worden sein. Der Fehler der Konstruktion des Sprengsatzes bestand dem Sender zufolge darin, dass die Täter eine Glühbirne statt eines Sprengsatzverstärkers, eines sogenannten Boosters, verwendet hätten.

„Spiegel Online” bestätigte den Bericht über eine erfolglose Zündung mit Bezug auf eine kriminaltechnische Untersuchung des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA). Für diese Theorie spreche den LKA-Experten zufolge, dass die in der Sprengstofftasche gefundenen Batterien einen sehr niedrigen Ladestand gehabt hätten.

Allerdings habe laut Angaben von „Spiegel Online” keine Fernzündung stattgefunden. Auch der "Tagesspiegel” zweifelt an der Theorie einer Fernzündung und beruft sich dabei auf Sicherheitskreise.Suche nach "wichtigem Zeugen”Nach weiteren WDR-Recherchen geht die Polizei mittlerweile von mindestens drei Tatverdächtigen aus.

Suche nach dritten Mann

Ein weiterer Zeugenaufruf konnte derweil die Ermittlungen noch nicht voranbringen. Nach Angaben der Kölner Polizei herrschte am Freitagmorgen weiter Unklarheit über die Identität eines Mannes, der eine Bahn-Mitarbeiterin über die herrenlose Tasche informiert haben soll.

Die Ermittler suchen den Mann seit Donnerstagabend als "wichtigen Zeugen". Wenige Minuten bevor die herrenlose Tasche von ihm gemeldet worden war, hatte eine Videokamera in einem Fast-Food-Restaurant im Bonner Bahnhof Bilder Bilder eines Tatverdächtigen aufgenommen, der offenbar die blaue Sprengstofftasche bei sich trägt.

Nach diesem hellhäutigen Verdächtigen suchen die Ermittler ebenso wie nach einem dunkelhäutigen Mann, der die Tasche laut Polizei wenig später Jugendlichen auf dem Bahnsteig vor die Füße schob und dann weglief.