Proteste gegen USA

Ein Toter bei Sturm auf US-Botschaft im Jemen

Die Proteste gegen ein antiislamisches Video weiten sich zum Flächenbrand aus. Nach Ägypten und Libyen ist jetzt auch der Jemen betroffen.

Foto: DPA

Die Proteste in der arabischen Welt gegen einen in den USA produzierten Schmäh-Film über den Propheten Mohammed weiten sich aus. Im Jemen stürmten am Donnerstag Hunderte Demonstranten das Gelände der US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa. Sicherheitskräfte schossen in die Luft, um die Menge aufzuhalten, wie Augenzeugen berichteten. Ein Mensch kam ums Leben. Bereits am Morgen hatten mehrere tausend Demonstranten bei Protesten gegen einen antiislamischen Film das Botschaftsgelände gestürmt und Fahrzeuge in Brand gesetzt.

Auch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo kam es in der Nacht erneut zu Protesten. In der ostlibyschen Stadt Bengasi hatten Bewaffnete am Dienstagabend das US-Konsulat angegriffen und dabei den Botschafter und drei weitere Botschaftsangehörige getötet. US-Präsident Barack Obama entsandte zwei Zerstörer vor die libysche Küste.

„Feuer auf dem Gelände”

Die Demonstranten in Sanaa seien durch das Haupttor des schwer bewachten Geländes gebrochen, berichteten Augenzeugen: „Wir können ein Feuer auf dem Gelände sehen.“ Die Demonstranten warfen Fenster ein und setzten Autos in Brand. Andere hielten Spruchbänder in die Höhe, auf denen „Gott ist groß“ zu lesen war. Bei den Zusammenstößen kam ein Demonstrant ums Leben. Nach Polizeiangaben starb der Mann durch Schüsse der Polizei, mindestens fünf weitere Menschen wurden verletzt.

Der Jemen ist ein wichtiger Verbündeter in dem von den USA ausgerufenen Kampf gegen den Terrorismus. Das Land ist Stützpunkt der al-Qaida auf der arabischen Halbinsel, der nach Ansicht der USA gefährlichsten Gruppe innerhalb der von Osama bin Laden gegründeten Extremisten-Organisation. Vor allem im Süden des Jemen kämpfen Regierungsgruppen gegen Al-Kaida-Aufständische.

Sicherheitskräfte feuern in Kairo Tränengas auf Demonstranten

In Kairo feuerten Sicherheitskräfte in der Nähe der US-Botschaft mit Tränengas auf Demonstranten, die mit Steinen warfen. Augenzeugen berichteten von Protestierenden mit Brandsätze und von Rauch in einer der Straßen, die zur US-Botschaft führen. Im Fernsehen waren Hunderte Menschen vor dem Gebäude der US-Vertretung zu sehen. 13 Menschen wurden nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur verletzt.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versicherte, seine Regierung werde alle Ausländer im Land schützen. Die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit seien garantierte Rechte, „aber ohne, dass privates oder öffentliches Eigentum, diplomatische Vertretungen oder Botschaften angegriffen werden“, sagte Mursi. Alle Ägypter verurteilten jegliche Angriffe oder Beleidigungen des Propheten, sagte der Präsident, der selbst Islamist ist, in einer aufgezeichneten Fernsehansprache.

Obama fordert rasche Bestrafung der Täter von Bengasi

US-Präsident Obama forderte eine rasche Bestrafung der Täter von Bengasi. In einem Telefonat mit dem Präsidenten der libyschen Nationalversammlung, Mohammed Magarief, vereinbarte er eine enge Zusammenarbeit bei den Ermittlungen, wie das US-Präsidialamt mitteilte. Obama habe deutlich gemacht, dass alles Erforderliche getan werden müsse, um die für den Angriff Verantwortlichen ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Geheimdienste gehen daovn aus, dass die Erschießung des US-Botschafters ein geplantes Attentat gewesen sei, für das al-Qaida verantwortlich ist.

Zuvor hatten die USA nach dem Tod ihres Botschafters in Libyen weltweit die Sicherheitsmaßnahmen für ihre Botschaften und Konsulate erhöht. So waren vor der Botschaft in der philippinischen Hauptstadt Manila Wachen und Polizei-Sonderkräfte mit Sturmgewehren zu sehen.

Zu dem umstrittenen Film gibt es einen 14-minütigen Trailer, der auf dem zu Google gehörenden Videoportal Youtube zu sehen ist. Google sperrte den Trailer zwar in Ägypten und Libyen wegen der besonderen Umstände dort. Ansonsten sind die Filmausschnitte aber frei zugänglich. Google will das Video nach eigener Auskunft nicht aus dem Netz nehmen, weil dieses nicht gegen die eigenen Richtlinien verstoße. Der Film stellt den Propheten Mohammed als Betrüger und Schürzenjäger dar. Als verantwortlich für den Film gilt ein Mann, der nach eigenen Angaben ein in Kalifornien lebender Israeli ist.