Proteste

USA vermuten hinter Sturm auf Botschaft al-Qaida

Die Polizei in Sanaa gab Warnschüsse ab. Die USA glauben, dass al-Qaida hinter der Ermordung des US-Botschafters in Libyen steckt.

Foto: AFP

Nach den Angriffen auf die diplomatischen Vertretungen der USA in Libyen und Ägypten haben Demonstranten am Freitag auch die US-Botschaft im Jemen gestürmt. In der Hauptstadt Sanaa gab die Polizei Warnschüsse ab, um die Menschenmenge zu vertreiben, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Lokale Medien berichteten, es habe Verletzte gegeben, als die Wachleute die Protestierenden zurückdrängten.

Unterdessen gehen die US-Geheimdienste nach dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi Hinweisen auf einen gezielten Terroranschlag nach. Der Angriff sei „geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt“ worden, erklärte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Die Attacke trage „klar“ die Handschrift des Terrornetzwerks al-Qaida, sagte Rogers dem Sender CNN. Dass es sich um einen geplanten Angriff handeln könnte, sei „derzeit die Arbeitshypothese“, sagte zudem ein ranghoher Regierungsvertreter. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte dagegen, es sei noch zu früh für ein klares Urteil. Bei dem Angriff war der Botschafter der USA in Libyen, Chris Stevens, getötet worden. Das FBI schickte nach Angaben aus Behördenkreisen Teams nach Libyen, die die Ermittlungen unterstützen sollen.

Das Pentagon verlegte unterdessen zwei Kriegsschiffe vor die libysche Küste. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer „USS Laboon“ habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die „USS McFaul“ sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandeuren jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, die der US-Präsident anordne.

CNN: Angreifer nutzten Proteste als Ablenkung

Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf US-Quellen, die Angreifer hätten die Proteste vor dem Konsulat als Ablenkungsmanöver genutzt. Ob die Angreifer die Proteste initiiert oder nur für ihr Vorhaben ausgenutzt hätten, sei allerdings unklar. Die Gewährsleute schlossen jedoch aus, dass der Angriff Botschafter Stevens galt, wie CNN am Mittwoch auf seiner Website berichtete.

Ein weiterer ranghoher US-Vertreter sagte CNN demzufolge, dass das Weiße Haus voraussichtlich Drohnen nach Libyen schicken werde, um Extremisten aufzuspüren, die womöglich mit dem Angriff zu tun hätten. Die Informationen sollten dann den libyschen Behörden ausgehändigt werden, hieß es.

Bei dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi waren vier Amerikaner ums Leben gekommen. Auch in Kairo waren wütende Demonstranten aus Protest gegen einen angeblich in den USA produzierten, von Muslimen als islamfeindlich empfundenen Film über den Propheten Mohammed vor die US-Botschaft gezogen. Am Mittwoch versammelten sich etwa 200 Islamisten erneut vor der US-Botschaft in Kairo.

USA senken Flaggen auf Halbmast

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Angriff auf die Botschaft und kündigte an, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Er ordnete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für die diplomatischen US-Vertretungen im Ausland an, besonders in Libyen. Aus US-Quellen verlautete, es würden auch 50 US-Marineinfanteristen nach Libyen geschickt. Zudem sprach er telefonisch mit den Präsidenten von Ägypten und Libyen und forderte sie zur weiteren Zusammenarbeit beim Schutz des diplomatischen Personals auf. Obama habe dem libyschen Präsidenten Mohamed Magariaf für dessen Anteilnahme gedankt, teilte das Weiße Haus mit. Beide Politiker wollten zusammenarbeiten, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Bei einem weiteren Anruf habe Obama dann dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zugesichert, dass man seine Bemühungen um die Sicherheit der US-Mitarbeiter zu schätzen wisse, teilte das Weiße Haus mit

Die Flaggen an Regierungsgebäuden und militärischen US-Einrichtungen in der ganzen Welt wurden auf Halbmast gesetzt. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich schockiert. Sie betonte, der Angriff sei von einer kleinen Gruppe und nicht von Vertretern der libyschen Volks begangen worden.

Der stellvertretende libysche UN-Botschafter Ibrahimi Dabbaschi machte „eine extremistische Gruppe“ für den Angriff verantwortlich. Er bekräftigte vor dem Weltsicherheitsrat in New York die Zusicherung seiner Regierung, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden würden. „Dieser Angriff dient nicht den Interessen des Volkes oder der libyschen Behörden und kann auch nicht als Verteidigung des Islams betrachtet werden“, sagte Dabbaschi. „Dieser Angriff beschädigt das Ansehen des Islams beträchtlich.“ Der Sicherheitsrat und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilten den Angriff aufs Schärfste.

Proteste in Kairo dauern an

In Ägypten dauern die Proteste gegen das islamfeindliche Video vor der US-Botschaft in Kairo an. Nach Angaben von Reportern harrte am Morgen nach den Zusammenstößen mit der Polizei noch ein harter Kern von einigen Dutzend Demonstranten vor der gut gesicherten Botschaft aus. Die Muslimbruderschaft, aus der Präsident Mohammed Mursi stammt, hat für Freitag zu Protesten gegen den Film aufgerufen. Mursi, der am Mittwoch nach Brüssel geflogen war, hat zu den Krawallen selbst nicht Stellung bezogen. Sein Sprecher forderte die US-Regierung auf, sich von dem Film zu distanzieren. Gleichzeitig sagte er, die Demonstrationen gegen das Machwerk müssten friedlich bleiben.

YouTube schränkt Zugang zu Video ein

Das Internetportal Youtube schränkte am Donnerstag den Zugriff auf das Video aus Libyen und Ägypten ein. Zwar verstoße der Inhalt des Films nicht gegen die YouTube-Richtlinien, angesichts der „schwierigen Lage in Libyen und Ägypten“ sei der Zugang in beiden arabischen Ländern jedoch „vorübergehend eingeschränkt“ worden, erklärte ein Sprecher des Google-Dienstes am Donnerstag.