Gesundheitsministerium

Bahr lädt nach Organspende-Skandal zu Krisen-Gipfel

Nach dem Skandal an den Unikliniken Göttingen und Regensburg werden bessere Kontrollen gefordert – und härtere Strafen für Täter.

Foto: DPA

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will am 27. August mit Vertretern des Gesundheitswesens über mögliche Konsequenzen aus dem Skandal um Organspenden sprechen. Den Termin bestätigte eine Sprecherin des Ministeriums am Freitag. Eingeladen seien Vertreter der Ärzteschaft, der Krankenhäuser und Krankenkassen sowie Transplantationsexperten.

Auch im Gesundheitsministerium würden derzeit Ideen gesammelt, was an zusätzlichen Maßnahmen notwendig sei, um Manipulationen bei Organtransplantation künftig zu vermeiden. Allerdings sei es vor allem Aufgabe der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, Vorschläge vorzulegen, sagte die Sprecherin.

Im Mittelpunkt des Skandals stehen die Unikliniken Göttingen und Regensburg. Ein Oberarzt der bayerischen Klinik soll zwischen 2004 und 2006 mindestens 23 Patientenakten von möglichen Organempfängern manipuliert haben, um ihnen zu einer Lebertransplantation zu verhelfen. Das Klinikum prüft nach eigenen Angaben rund 250 Krankenakten aus den Jahren 2003 bis 2008. Der Arzt war anschließend nach Göttingen gegangen, wo offenbar ebenfalls Patientendaten manipuliert wurden. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Möglicherweise weitere Täter

Möglicherweise war der beschuldigte Oberarzt kein Einzeltäter. Die Staatsanwaltschaft hat dafür aber noch keine konkreten Anhaltspunkte. Die Prüfungen stünden noch am Anfang, sagte der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, Markus Pfaller, am Freitag.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ ist die Zahl der Lebertransplantationen in Regensburg auch nach dem Weggang des Beschuldigten noch einmal drastisch gestiegen. Die Zahl habe sich binnen Jahresfrist um mehr als 40 Prozent erhöht – von 48 Transplantationen im Jahr 2008 auf 69 im Jahr 2009. Eine solche Steigerung gelte als ungewöhnlich.

Ärztepräsident wirft Behörden Versagen vor

Ärztepräsident Montgomery attackierte nun die bayerischen Behörden. Im rbb-Inforadio sagte er, der verdächtige Oberarzt aus Regensburg sei schon 2005 ins Visier der Ermittler geraten. „In Bayern haben gerade die staatlichen Gremien versagt, denn wir haben damals mit der Selbstverwaltung diesen Fall aufgedeckt. Wir haben mit den bayerischen Institutionen gesprochen. Niemand hatte auch nur die Spur eines Interesses, diesen Fall damals zu verfolgen“, sagte Montgomery.

Härtere Strafen für Täter

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn verlangte harte Strafen für die Verantwortlichen des Skandals. „Ich finde es jetzt ganz, ganz wichtig, dass es durch drastische Strafen zu einer Abschreckung kommt“, sagte Spahn. Es müsse mit Berufsverboten oder Strafen bis zu Gefängnis durchgegriffen werden. Dann könne man auch das Vertrauen in die Organspende wieder stärken. Spahn schloss nicht aus, dass die Gesetze zum Thema erneut überprüft werden. Es gehe um die Frage, ob die Ärztekammern und die Deutsche Stiftung Organtransplantation, eigenständig kontrollieren oder ob dafür eine staatliche Behörde notwendig sei.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation verlangte eine bessere Aufsicht. „Man muss aus dem Fall sicher die Konsequenz ziehen, dass man eine zusätzliche Kontrolle einführen muss“, sagte der medizinische Vorstand der Stiftung, Professor Günter Kirste. Solange es ein Mangel an Organen gebe, müsse die Verwaltung korrekt geregelt werden.

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