Syrien

Aleppo vor dem Sturm – USA befürchten Massaker

Der Kampf um Aleppo steuert offenbar auf einen blutigen Höhepunkt zu: Syrische Truppen sollen sich für eine Großoffensive formieren.

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Der Kampf um Aleppo hat begonnen. Regimetruppen beschießen Stellungen der Rebellen am Rande der größten syrischen Stadt, um den Nachschub abzuschneiden. Die Industriemetropole ist eingeschlossen: von Tausenden von Soldaten, darunter Elitedivisionen und mehr als 100 Panzern. Aus der Luft greifen Kampfhubschrauber und -flugzeuge an. Die Freie Syrische Armee (FSA) wird es mehr als schwer haben, ihre „Befreiung von Aleppo“ fortzusetzen. „Wir befürchten ein Massaker“, sagte Victoria Nuland, die Sprecherin des US-Außenministeriums. „Das Regime scheint sich dafür aufzustellen.“ Für Nuland ist die Schuldfrage geklärt, wer für die vielen Toten, die es in Aleppo geben wird, verantwortlich ist.

Wesentlich ausgewogener zeigte sich die Verantwortliche für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen. Navi Pillay richtete sich an beide Konfliktparteien, ziviles Leben, Wohnungen, Schulen, Moscheen und Kirchen zu respektieren. „Regierungs- und Rebellentruppen müssen zwischen zivilen und militärischen Zielen unterscheiden.“ Gleichzeitig beschuldigte sie beide Kriegsparteien, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Dazu gehörten Mord, vorsätzliche Tötungen und Folterungen. Die Rebellen lieferten dafür erst kürzlich einen Beweis, als sie nach der Einnahme eines Grenzübergangs im Irak einem Offizier die Arme abschnitten und 22 Soldaten auf offener Straße exekutierten. Durch die Hand des syrischen Regimes sterben jeden Tag unschuldige Zivilisten. Und in seinen 27 Spezialgefängnissen wird täglich gefoltert, wie ein Bericht der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zeigte.

Nach 17 Monaten ist der Bürgerkrieg eskaliert. Keine der Parteien hält sich an internationale Konventionen, beide gehen stattdessen mit ungeheuerlicher Grausamkeit gegeneinander vor. Bei der letzten Konfrontation in Damaskus brachen Elitetruppen gefangenen Rebellen die Beine und schnitten ihnen Finger ab, bevor sie sie exekutierten. Islamistische Brigaden der FSA jagten flüchtende Christen, zogen sie aus dem Auto und erschossen sie. Was ist nun erst an Grausamkeiten in Aleppo zu erwarten? In der Schlacht, die die „Mutter aller Schlachten ist“, so die regierungsnahe Zeitung „al-Watan“.