Pal Schmitt

Plagiatsaffäre - Ungarns Präsident tritt doch zurück

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Foto: DPA

Noch am Freitag hatte Pal Schmitt einen Rücktritt wegen der Aberkennung seines Doktortitels ausgeschlossen. Nun geht Ungarns Präsident.

Der ungarische Präsident Pal Schmitt hat nach der Aberkennung seines Doktortitels nun doch seinen Rücktritt erklärt. „Gemäß der Verfassung muss der Präsident die Einheit der ungarischen Nation verkörpern; leider bin ich ein Symbol der Spaltung geworden“, sagte der 69-Jährige am Montag vor dem Parlament in Budapest. Noch am Freitag hatte er betont, er sehe „keinen Zusammenhang“ zwischen der Plagiats-Affäre und seinem Amt.

Das Amt des Präsidenten ist in Ungarn weitgehend protokollarisch, allerdings ist der Staatschef auch Oberkommandierender der Streitkräfte. Zudem war Schmitt für die konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban von erheblicher Bedeutung, weil er in den vergangenen Monaten etliche Gesetze in Kraft setzte, die im In- und Ausland heftige Kritik hervorriefen. Schmitt erklärte als Vertrauter Orbans, er wolle „den Schwung der Regierung nicht behindern“.

Die Aberkennung des Doktortitels war am Donnerstag von den Gremien der Semmelweis-Universität in Budapest beschlossen worden. Die ungarische Opposition forderte daraufhin einstimmig Schmitts Rücktritt. Orban sagte, die Entscheidung über einen Rücktritt liege „ausschließlich“ bei Schmitt. Schmitt bezeichnete seine Doktorarbeit am Freitag als „ehrliches Werk“, das er nach bestem Wissen und Gewissen verfasst habe. Den Verlust seines Titels erkenne er an. Jedoch entspreche seine Arbeit „den vor 20 Jahren gültigen Regeln“.

Schmitt bekannt als Fechter

Schmitt ist seinen Landsleuten seit Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen vertraut. Bekannt wurde er als Fechter. In den Jahren 1968 und 1972 errang er mit ungarischen Fechterteams Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen, von 1989 bis 2010 stand er an der Spitze des ungarischen Olympischen Komitees. Von 1993 bis 1997 war er Botschafter in Spanien, von 1999 bis 2002 Botschafter in der Schweiz. Zwei Jahre später zog er ins Europäische Parlament ein, wo er 2009 und 2010 das Amt des Vize-Präsidenten ausübte.

Die von Schmitt vorgelegte Doktorarbeit aus dem Jahr 1992 befasst sich mit der Geschichte der Olympischen Spiele. Die ungarische Wirtschaftswochenzeitung „HVG“ hatte im Januar enthüllt, dass der größte Teil der Dissertation aus einer Arbeit des bulgarischen Experten und Diplomaten Nikolaj Georgiew aus den 1980er Jahren abgeschrieben worden war.

Orban steht international seit Monaten wegen umstrittener Gesetzes- und Verfassungsänderungen in der Kritik, die etwa den Justiz- und Medienbereich betreffen. Der Internationale Währungsfonds und die Europäische Union brachen deswegen im Dezember Verhandlungen mit Budapest ab, in denen es um Finanzhilfen in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro für das hoch verschuldete Land ging.

( AFP/ap )

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