Äthiopien

Von verschleppten Deutschen fehlt jede Spur

Noch immer sind die Hintergründe des blutigen Überfalls in Äthiopien unklar, noch immer werden zwei Deutsche vermisst. Politiker fordern nach dem Vorfall einheitliche Reisewarnungen in der EU.

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Von den zwei in Äthiopien vermissten Deutschen fehlt auch Tage nach dem blutigen Überfall auf ihre Reisegruppe jede Spur. Die Hintergründe der Tat liegen ebenfalls weiter im Dunkeln. „Der Aufenthaltsort der beiden vermissten Deutschen ist weiter unbekannt“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Der Krisenstab tage regelmäßig und setze alles daran, den Aufenthaltsort der Deutschen möglichst bald in Erfahrung zu bringen. Nach Auffassung der Regierung in Addis Abeba wurden die beiden gemeinsam mit zwei äthiopischen Begleitern ins benachbarte Eritrea verschleppt.

Zu dem blutigen Angriff war es in der Nacht auf Dienstag in der Danakil-Senke an der Grenze zu Eritrea gekommen. 30 bis 40 bewaffnete Männer hatten die Urlauber im Schlaf auf einem Zeltplatz in der Nähe des Vulkans Erta Ale überrascht. Die Täter erschossen fünf Menschen, darunter war neben dem Bühnenbildner Reinhard Brummack aus Cottbus und einem72-jährigen Touristen aus Schleswig-Holstein auch ein Österreicher. Zwölf Überlebende wurden zurück in die Hauptstadt Addis Abeba geflogen, darunter sechs Deutsche. Nach Angaben aus Äthiopien sollen diese in der Nacht zum Freitag mit Turkish Airlines zurück nach Deutschland geflogen worden sein.

Apell an Westerwelle

Der CDU-Außenpolitiker und Tourismusexperte Jürgen Klimke wandte sich unterdessen in einem Brief an Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und bemängelte die fehlende offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die wegen der Entführungsgefahr als gefährlich geltende Wüste. „Offenbar bestand in Österreich zum Zeitpunkt des Überfalls eine Reisewarnung für die Region, seitens des deutschen Auswärtigen Amtes gab es nur einen Reisehinweis, andere europäische Staaten hatten nicht einmal Reisehinweise für die Region herausgegeben“, so Klimke in dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Tatsächlich hätten „alle betroffenen Reisenden ihre Reise über einen deutschen Veranstalter gebucht, also ein Land, in dem es keine Reisewarnung gab“. So habe sich für die österreichischen Touristen ein Widerspruch ergeben, da ihr Land vor Reisen in die Region ausdrücklich gewarnt habe, das Land des Reiseveranstalters aber nicht.

Diese „bunte Vielfalt“ der Reiswarnungen in Europa entspreche nicht den globalisierten Reisemärkten. Klimke erinnert in dem Schreiben daran, dass auf deutscher Seite immer wieder über die finanzielle Beteiligung von Reisenden an Rettungsaktionen diskutiert werde, wenn diese sich bewusst in Länder mit Reisewarnung begeben haben. Das sei aber schwierig, wenn Reisender und Veranstalter – wie im jetzt vorliegenden Fall – aus Staaten kämen, in denen die Gefährlichkeit des Reiseziels unterschiedlich bewertet werde. Tatsächlich verteidigt sich der Dresdner Veranstalter Diamir, bei dem die Touristen die gefährliche Tour gebucht hatten, mit dem Argument, dass zum Zeitpunkt des Zwischenfalls weder für Äthiopien noch für Teile des Landes eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bestanden habe. Aus diesen Gründen bittet Klimke den Außenminister, sich für eine europäische Harmonisierung von Reisewarnungen einzusetzen.