Proteste

Hundertausende gehen gegen Assad auf die Straße

Der Protest flaut nicht ab: Nach dem Freitagsgebet protestierten landesweit Menschen gegen das Regime von Präsident Assad. Ihr Zorn richtet sich aber auch gegen die arabischen Beobachter. Mindestens neun Menschen wurden bei Ausschreitungen getötet.

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Konfrontation in Syrien: Die Mission der arabischen Beobachter in Syrien sorgt bei der Opposition für Proteste. In mehreren Städten demonstrierten nach dem Freitagsgebet Zehntausende gegen die Delegation der Arabischen Liga – weil sie das Blutvergießen in Syrien bislang nicht stoppen konnte.

Dabei kam es zu Ausschreitungen: Mindestens neun Menschen wurden nach Angaben von Aktivisten in den Oppositionshochburgen Homs und Daraa getötet. Auch in Deir-el-Sur im Osten und in anderen Städten seien Schüsse gefallen, erklärten Aktivisten. Seit Sonntag seien landesweit mindestens 98 Menschen ums Leben gekommen.

Die Deserteure der syrischen Streitkräften wollen während des Besuchs der arabischen Beobachter ihre Offensive gegen Regierungsziele aussetzen. Der Führer der Freien Syrischen Armee (FSA) erklärte, seine Soldaten hätten ihre Angriffe eingestellt. Auf diese Weise wolle die FSA zeigen, dass das Regime friedliche Demonstranten töte.

„Wir verteidigen uns jetzt nur noch“, hieß es. „Das ist unser Recht und das Recht jedes Menschen.“ Nach dem Ende der Beobachtermission werde die Organisation die Angriffe wieder aufnehmen.

In der umkämpften Provinz Idlib gingen nach Auskunft der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mehr als 250.000 Menschen auf die Straße. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe bewarfen Demonstranten in Duma Sicherheitskräfte mit Steinen. Mindestens 24 Menschen seien verletzt worden. Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas in die Menge geschossen, um sie auseinanderzutreiben.

Die Gegner des Regimes von Baschar al-Assad halten die Zustimmung der syrischen Führung zu der Mission für ein Ablenkungsmanöver. Dem Regime gehe es allein darum zu verhindern, dass sich der UN-Sicherheitsrat mit der Krise befasse.

Ungeachter der Proteste setzten die Teams der Arabischen Liga ihre Besuche in den Krisenherden des Landes fort. Mehr als 100 Konfliktregionen wollen sie bis Ende Januar inspiziert haben.

Ein Aktivist äußerte scharfe Kritik an dem Delegationsleiter, den Sudanesen Mustafa al-Dabi. Er sei Vertreter eines Regimes, das für die Unterdrückung der Opposition bekannt sei, betonte Omar Idlibi. Der sudanesische General gilt als Vertrauter von Sudans Präsidenten Omar al-Baschir, gegen den wegen der Kriegsverbrechen in Darfur ein internationaler Haftbefehl vorliegt.

Al-Dabi hatte für Ärger gesorgt, als er nach seinem Aufenthalt in Homs mit den Worten zitiert wurde, er habe nichts Beunruhigendes gesehen. Er hatte später um Zeit für die Beobachter gebeten. Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März mehr als 5000 Menschen getötet worden.