Beweismittel verschwunden

Chefermittler nimmt Barschel-Buch mit nach Hause

Schlamperei-Vorwürfe im Barschel-Fall: Der ehemalige Chefermittler hat ein mögliches Beweisstück – ein Buch von Sartre – einfach mit nach Hause genommen. Nach Ansicht des Justizministeriums hat der Umgang mit den Asservaten klar gegen Vorschriften verstoßen.

Der Umgang mit möglichen Beweisstücken im ungeklärten Todesfall des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel nimmt skurrile Züge an. So soll der ehemalige Chefermittler Heinrich Wille ein Buch, das 1987 nach dem rätselhaften Tod des Politikers in dessen Genfer Hotelzimmer sichergestellt wurde, mit zu sich nach Hause genommen haben. Das teilte das Kieler Justizministerium am Donnerstag mit. Auch sonst habe die Behandlung der Asservate nicht den Vorschriften entsprochen, sagte Minister Emil Schmalfuß (parteilos) im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. Abgeordnete sprechen von Skandal und Schlamperei.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hatte im Sommer veranlasst, dass mögliches Beweismaterial auf DNA-Spuren beim Landeskriminalamt untersucht wird. Dabei stellte sich heraus, dass ein Haar fehlte, das nicht von Barschel stammte. Das Justizministerium überprüfte den Vorgang und entdeckte eine weitere Lücke: „Gesammelte Werke“ von Jean Paul Sartre, die Barschel mit im Hotel hatte. „Es konnte festgestellt werden, dass dieses Buch sich im privaten Besitz des leitenden Oberstaatsanwaltes a.D. befindet“, sagte Schmalfuß fast genau 24 Jahre nach dem Tod Barschels. Ob ein Disziplinarverfahren gegen Wille eingeleitet wird, prüft die Generalstaatsanwaltschaft.

Das verschwundene Haar beschäftigt nun nach der Lübecker Staatsanwaltschaft auch deren Kollegen in Kiel. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Kieler damit beauftragt, eine Strafanzeige von Barschels Witwe Freya wegen Verdachts der Strafvereitelung im Amt zu prüfen. Das teilte die Behörde am Freitag mit. In der Anzeige geht es um ein fremdes Haar aus dem letzten Hotelbett von Uwe Barschel, das bei der Staatsanwaltschaft Lübeck verschwunden ist.

Um jeden Anschein der Befangenheit zu vermeiden, solle die Kieler Staatsanwaltschaft prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren in der Sache eingeleitet werden müsse, sagte der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Heinz Döllel. Die Anzeige richte sich nicht ausdrücklich gegen die Lübecker Staatsanwaltschaft, sondern gegen unbekannt, sagte er.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hatte im Sommer veranlasst, dass mögliches Beweismaterial beim Landeskriminalamt auf DNA-Spuren untersucht wird. Dabei stellte sich heraus, dass ein Haar fehlte, das nicht von Barschel stammte und 1987 auf dem Bett seines Genfer Hotelzimmer sichergestellt worden war.

Der CDU-Politiker war am 11. Oktober 1987 nach seinem durch einen politischen Skandal erzwungenen Rücktritt in dem Hotel tot in einer Badewanne gefunden worden. Ob es Mord oder Selbstmord war, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden.