Warschau

92 Deutsche bei Krawallen festgenommen

Bei schweren Krawallen am polnischen Unabhängigkeitstag sind am Freitag in Warschau auch 92 deutsche Demonstranten festgenommen worden. Insgesamt kam es zu 210 Festnahmen. Ministerpräsident Donald Tusk sprach sich für ein Vermummungsverbot aus.

Foto: dpa / dpa/DPA

Gewaltsam Ausschreitungen am polnischen Unabhängigkeitstag: In Warschau sind 92 Deutsche festgenommen worden. Insgesamt seien bei den Zusammenstößen von Polizei und rechtsnationalen Demonstranten sowie Teilnehmern einer linken Gegendemonstration 210 Menschen festgenommen worden. Ministerpräsident Donald Tusk sprach sich als Konsequenz aus den Krawallen für ein Vermummungsverbot aus.

Polizeisprecher Maciej Karczynski beklagte am Sonnabend ein „aggressives“ Verhalten der Demonstranten gegenüber Passanten und der Polizei. Der polnische Regierungschef Donald Tusk sprach von „professionellen Streithähnen“ und verurteilte den „Import“ ausländischer Schläger zum Nationalfeiertag.

Bei den Verhafteten handle es sich um antifaschistische deutsche Aktivisten, sagte Hanka Kubicka, Sprecherin der Organisation Bündnis des 11. November, die eine Demonstration gegen Rechtsextremismus am Freitag organisiert hatte. Insgesamt sprach die Polizei von 210 Festgenommenen, darunter auch ein Spanier, ein Ungar und ein Däne. Tusk sprach von einer „guten Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei“ bei der Verfolgung der Schläger.

Polnische Nationalisten und linke Antifaschisten nutzten den Nationalfeiertag für Demonstrationen. Medienberichten zufolge hatten sich sowohl die Nationalisten als auch die Antifaschisten für den Tag Verstärkung von Gleichgesinnten aus dem Ausland geholt. An dem Aufmarsch der Nationalisten, zu dem sich auch hunderte Fußballfans gesellten, nahmen mehrere tausend Menschen teil. Rund 2000 linksgerichtete Demonstranten wollten den Nationalisten den Weg versperren. Als die linksgerichteten Demonstranten von der Polizei umstellt wurden, seien sie aggressiv geworden, sagte Polizeisprecher Karczynski.

Die Organisatoren des „Unabhängkeitsmarsches“ verurteilten am Sonnabend die Gewalt. „Wir verurteilen Banditentum, Hooliganismus und Extremismus“, versicherte Robert Winnicki von der „Allpolnischen Jugend“, einer rechtsnationalen und europafeindlichen Organisation. „Schändlich“ sei die Teilnahme deutscher Randalierer an der Gegendemonstration. Ausländer sollten Veranstaltungen an polnischen Feiertage fernbleiben. Indes waren zum „Unabhängigkeitsmarsch“ ebenfalls ausländische Teilnehmer aus Ungarn, Kroatien, Serbien und der Slowakei angereist.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Sonnabend, die Botschaft in Warschau sei mit dem Fall befasst und stehe mit den polnischen Behörden in Kontakt. Sie bemühe sich um eine Aufklärung der Vorgänge.

Über die genaue Zahl der Verletzten konnte die polnische Polizei zunächst keine Angaben machen. Einschließlich der 40 Polizisten habe es „dutzende“ Verletzte gegeben. Demonstranten warfen den Angaben zufolge Steine und Flaschen in Richtung der Polizei. Diese setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Nationalistische Demonstranten setzten mehrere Fahrzeuge in Brand, darunter zwei Übertragungswagen privater Fernsehstationen.

Der polnische Unabhängigkeitstag wird am 11. November gefeiert. Er geht auf die deutsche Kapitulation nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zurück.