Libyen

Fast 270 Leichen nach Massaker in Sirte gefunden

In Sirte mehren sich die Hinweise auf ein Massaker, das Gaddafi-Anhänger unter Bevölkerung angerichtet haben sollen. Der Nationale Übergangsrat forderte die Nato auf, ihren Einsatzes bis mindestens Ende des Jahres fortzusetzen.

In der Geburtsstadt des langjährigen libyschen Diktators Muammar Gaddafi gibt es neue Hinweise auf ein Massaker. Angeblich wurden 267 Leichen gefunden. In vielen Fällen seien die Opfer vermutlich reihenweise getötet worden, berichtete das Internetportal „Qurinaew“ am Mittwoch unter Berufung auf Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Diese hätten diese Informationen von libyschen Offiziellen aus Bengasi erhalten, die in Sirte mutmaßliche Massaker untersuchen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte zu Wochenbeginn berichtet, dass ihre Mitarbeiter in Sirte 53 Leichen von Gaddafi-Anhängern gefunden hätten. Diese letzten Gaddafi-Getreuen sollen nach ihrer Gefangennahme durch die Übergangsrats-Milizen getötet worden sein.

Sirte war am vergangenen Donnerstag nach wochenlangen, erbitterten Kämpfen in die Hände der Milizen des Übergangsrates gefallen. Am selben Tag war auch der frühere Diktator Muammar al-Gaddafi von den Milizionären gefangen genommen und wahrscheinlich gezielt erschossen worden.

Übergangsrat fordert Fortsetzung von Nato-Einsatz

Der Nationale Übergangsrat in Libyen hat eine Fortsetzung des Nato-Einsatzes in dem nordafrikanischen Land bis mindestens zum Ende des Jahres gefordert. „Nachdem wir den Sieg errungen haben, hofft das libysche Volk, dass die Nato ihren Einsatz bis mindestens zum Ende des Jahres fortführt“, sagte der Präsident des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, am Mittwoch zur Eröffnung eines Treffens der Generalstabschefs der am Militäreinsatz beteiligten Länder in Doha. Eine Fortsetzung des Nato-Einsatzes komme auch den Nachbarländern zugute.

Die Nato-Botschafter hatten sich in der vergangenen Woche vorläufig auf ein Ende des Einsatzes zum 31. Oktober verständigt. Nach der Forderung des libyschen Übergangsrates vertagte das Bündnis seine endgültige Entscheidung zur Beendigung des Einsatzes von Mittwoch auf Freitag. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen berate sich dazu mit der UNO und dem libyschen Übergangsrat, sagte eine Nato-Sprecherin. Eine formelle Anfrage zur Fortsetzung des Einsatzes liege nicht vor.

Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass die Nato ihre Entscheidung auch deshalb vertagte, weil Russland zunächst Beratungen im UN-Sicherheitsrat zur Lage in Libyen verlange.

Obama sieht Libyen-Einsatz als Erfolgsrezept

Bei einem Auftritt in der Fernsehshow von Moderator Jay Leno verteidigte US-Präsident Barack Obama die Rolle der USA beim Einsatz in Libyen. Die internationale Koalition, die zum Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi beitrug, sei an vorderster Front am Einsatz beteiligt gewesen. Die Bildung einer breiten Allianz unter Einbeziehung europäischer und arabischer Länder habe das Leben von US-Soldaten gerettet, Geld gespart und das angestrebte Ziel erreicht. „Kein einziger US-Soldat war auf dem Boden“, keiner sei getötet oder verletzt worden, sagte Obama in der Show. „Ich glaube, dass ist ein Erfolgsrezept für die Zukunft.“