Ohrfeigen-Geständnis

Zollitsch will von Mixa die ganze Wahrheit erfahren

Die Kritik am Augsburger Bischof Walter Mixa wird schärfer. Dessen Nachfolger, Stadtpfarrer Josef Beyrer von Schrobenhausen, wirft ihm vor, mit seinem Ohrfeigen-Geständnis, viel zu lange gewartet zu haben. Auch Erzbischof Zollitsch fordert Mixa auf, die Vorwürfe so schnell wie möglich aufzuklären.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und die Apostolische Nuntiatur in Berlin sind im Gespräch mit dem in die Kritik geratenen Augsburger Bischof Walter Mixa. Das sagte Zollitsch auf Nachfrage vor Journalisten in Frankfurt.


Zollitsch habe mit Mixa vereinbart, dass dieser alles ihm mögliche tun werde, um zu einer Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beizutragen. Er sei sich sicher, so Zollitsch, dass Mixa dies auch tun werde.

Nach dem Ohrfeigen-Geständnis des Augsburger Bischofs hat dessen Nachfolger, Stadtpfarrer Josef Beyrer von Schrobenhausen, den Bischof kritisiert. "Es wäre hilfreich gewesen, wenn Mixa seine Handgreiflichkeiten 14 Tage früher eingeräumt hätte", sagte Beyrer.

Auch der sächsische evangelische Bischof Jochen Bohl hat seinem katholischem Amtskollegen den Rücktritt nahegelegt. "Was auch immer vor 30 Jahren in Schrobenhausen passiert sein mag, sein Verhalten in den letzten 14 Tagen ist seines Amtes nicht würdig", sagte Bohl am Sonnabend in Leipzig. Bohl ist auch Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Über die Konsequenzen müsse die katholische Kirche jedoch selbst entscheiden. "Wir haben vor nicht allzu langer Zeit hinreichend deutlich gemacht, wie man in der evangelischen Kirche mit vergleichbaren Problemen umgeht", sagte Bohl mit Blick auf den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann. Die hannoversche Landesbischöfin war Ende Februar wegen einer Trunkenheitsfahrt zurückgetreten.

Mixa hatte nach ersten Misshandlungsvorwürfen von ehemaligen Heimkindern im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen erklärt, er habe niemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewendet und habe ein "reines Herz". Am Freitag hatte er dann eingeräumt, als Stadtpfarrer von Schrobenhausen doch Ohrfeigen ausgeteilt zu haben.

Inzwischen liegen sieben eidesstattliche Erklärungen früherer Heimkinder vor, die Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) brutale Prügelattacken vorwerfen. Der Schrobenhausener Sonderermittler Sebastian Knott hatte von einem weiteren Fall berichtet, bei dem Mixa 1976 einen damals 16-Jährigen "mit voller Wucht brutal ins Gesicht" geschlagen haben soll. Dies habe der Betroffene ebenfalls in einer eidesstattlichen Erklärung bekräftigt.

Mixa teilte über einen Münchner Rechtsanwalt dem Sonderermittler mit, er stehe nach wie vor zu einem Gespräch mit den mutmaßlichen Opfern zur Verfügung. Das lehnen diese aber ab. Eine 47- jährige Frau sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie sei auf keinen Fall zu so einem Gespräch bereit und wisse von anderen Betroffenen, dass sie das Gesprächsangebot gerade nach Mixas Ohrfeigen-Geständnis ablehnen.

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