Entgegen einer ersten Entscheidung wird der Prozess um den Mord an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja nun doch hinter verschlossenen Türen verhandelt. Das legte das zuständige Moskauer Militärgericht nach Angaben der Agentur Itar-Tass fest. Die Geschworenen hätten sich geweigert, den Verhandlungssaal im Beisein der Presse zu betreten, begründete der Richter seinen Entschluss. Offensichtlich fürchten sie um ihr Wohlbefinden.

Am Montag hatte sich das Gericht zunächst für einen öffentlichen Prozess entschieden. Politkowskaja war vor zwei Jahren vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden.

Damit hob das Gericht seinen erst am Montag gefassten Beschluss auf, den Prozess öffentlich zu führen. Dies wurde sowohl von Kollegen der ermordeten Journalistin als auch von den drei Angeklagten verlangt.

Der Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“, Dmitri Muratow, nannte die Entscheidung des Gerichts eine „Schande“. Die Obrigkeit habe „eine Möglichkeit gefunden, die Tätigkeit ihrer Agenten, die im Politkowskaja-Fall auf Schritt und Tritt zu finden sind, zu verheimlichen“. Anna Politkowskaja, die bis zu ihrem Tod bei der „Nowaja Gaseta“ gearbeitet hatte, wurde am 7. Oktober 2006 vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen.

Politkowskaja war wegen ihrer kritischen Berichterstattung über den Tschetschenienkrieg international bekannt. Nach dem mutmaßlichen Todesschützen Rustam Machmudow wird bis heute gefahndet. Wegen Beihilfe zum Mord sind zwei Geschwister des Tschetschenen und ein ehemaliger Milizoffizier angeklagt. Ein weiterer ehemaliger Offizier des Geheimdienstes FSB steht vor Gericht, weil er die Adresse der Journalistin weitergegeben haben soll.

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AFP/AP/dpa/lk