Der Berliner Terrorverdächtige Yusuf O. ist drei Wochen nach seiner Verhaftung in Österreich am Montagmorgen in Wien deutschen Polizeibeamten übergeben worden. Der Islamist befindet sich nun wieder in Deutschland und wurde am Montag dem Haftrichter vorgeführt, der einen erweiterten Haftbefehl erließ und die Untersuchungshaft anordnete.

Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt seit Mitte 2010 gegen den 26-jährigen Deutschen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Yusuf O. hatte Deutschland im Mai 2009 zusammen mit einem weiteren Islamisten aus Berlin verlassen und sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet der Terrorgruppe Deutsche Taliban Mudschahedin (DTM) angeschlossen. In deren Ausbildungslagern soll Yusuf O. an Schusswaffen und Sprengstoff ausgebildet worden sein. In mindestens drei Propagandavideos trat er als „Ayyub al-Almani“ auf, in denen er auch mit Terroranschlägen in Deutschland drohte – auch auf das Brandenburger Tor.

Die österreichische Polizei hatte Yusuf O. am 31. Mai 2011 in Wien aufgrund eines deutschen Haftbefehls vom 25. März festgenommen. Seitdem saß der Berliner in Auslieferungshaft. Nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler beabsichtigte Yusuf O., Terrorrekruten in Deutschland anzuwerben. Zu diesem Zweck hätte er Pakistan verlassen. Im Mai 2011 soll Yusuf O. in Budapest den Österreicher Maqsood L. beauftragt haben, ausgewählte Personen in Berlin für eine Teilnahme am militanten Dschihad oder für eine finanzielle Unterstützung der terroristischen Organisation zu gewinnen. Maqsood L. war daraufhin am 16. Mai in Berlin festgenommen worden. Er soll bis zu 1000 Euro für die DTM in Pakistan gesammelt haben. Der Verfassungsschutz in Berlin geht im Großraum Berlin von bis zu 20 Unterstützern der DTM aus. Ein knappes Dutzend Männer und Frauen aus Berlin hatte sich in den vergangenen Jahren der Terrorgruppe im pakistanischen Stammesgebiet Waziristan angeschlossen. Mindestens ein Berliner Islamist kam bei Gefechten mit der pakistanischen Armee ums Leben, zwei weitere Terrorverdächtige sitzen derzeit in der Türkei im Gefängnis.

In Wien versuchte der Berliner nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler, Kontakt zu weiteren islamistischen Terrorunterstützern aufzunehmen, darunter auch zu dem Österreicher Konvertiten Thomas al-J. (25). Der Wiener gilt als Kopf eines Netzwerkes von Terrorhelfern und steht derzeit im Zentrum aktueller Ermittlungen in Österreich. Am 15. Juni waren Thomas al-J. sowie drei weitere Terrorverdächtige in Wien festgenommen worden. Die deutsche Staatsanwaltschaft führt, wie Morgenpost Online erfuhr, ein gesondertes Verfahren gegen Thomas al-J. und weitere Verdächtige in Österreich.

Nach seiner Festnahme in der vergangenen Woche hatte es Gerüchte gegeben, wonach Thomas al-J. einen Terroranschlag auf Berlin geplant habe. Angeblich übte der Islamist am heimischen Computer mit einem Flugsimulationsspiel den Sturzflug mit einem Passagierflugzeug auf den Reichstag. Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe hält dieses Anschlagsszenario jedoch für unwahrscheinlich. Auf Nachfrage betonte ein Sprecher, es gebe keinerlei Hinweise auf einen solchen Terroranschlag in Deutschland durch die in Österreich festgenommenen Terrorverdächtigen.