Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat eine neue Verurteilung seines inhaftierten Kritikers Michail Chodorkowski gefordert. „Der Dieb muss im Gefängnis sitzen“, sagte Putin bei einer live im Staatsfernsehen übertragenen Bürger-Fragestunde.

Die Verbrechen Chodorkowskis seien bewiesen, sagte Putin. Für ähnlich schwere Vergehen sei der US-Finanzmakler und Milliardenbetrüger Bernard Madoff von einem amerikanischen Gericht zu 150 Jahren Haft verurteilt worden. Im Vergleich dazu seien die russischen Gerichte geradezu die „humansten“, sagte Putin mit kühlem Lächeln. Erneut warf Putin seinem Erzfeind zudem vor, in Auftragsmorde verwickelt zu sein.

Im Gefängnis bis 2017?

Das Urteil in dem zweiten international kritisierten Prozess gegen den Milliardär war am Mittwoch überraschend verschoben worden. Der russische Staat wirft dem einst reichsten Mann des Landes vor, 218 Millionen Tonnen Öl unterschlagen zu haben. Chodorkowski selbst erwartet bei dem neuen Termin am 27. Dezember eine weitere mehrjährige Gefängnisstrafe für sich.

In einem ersten Prozess war er wegen Betrugs und Steuerhinterziehung bereits zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe läuft nächstes Jahr aus. Würde Chodorkowski zu weiteren 14 Jahren verurteilt, käme er im Jahr 2017 aus dem Gefängnis, weil seine bisherige Haftstrafe dabei angerechnet würde.

Der frühere Chef des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos hatte die Vorwürfe gegen ihn stets als politisch motiviert zurückgewiesen. Beobachter vermuten, dass Russland den weiterhin einflussreichen und finanzstarken Chodorkowski über die Präsidentenwahl 2012 hinaus politisch kaltstellen will. Unter anderem hatten Deutschland und die USA den Prozess scharf kritisiert.

dpa/AFP/cn