Wikileaks-Depeschen

Suleiman wollte Wahlen im Gazastreifen verhindern

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Per Hinrichs

Foto: REUTERS

Israel könnte mit Ägyptens neuem Vizepräsidenten "sehr gut leben", heißt es. In der Vergangenheit machte er dem Land umfangreiche Versprechungen

Omar Suleiman, langjähriger Geheimdienstchef und seit Kurzem Vizepräsident Ägyptens, ist ein treuer Freund Israels. So jedenfalls sieht es Amos Gilad, Generalmajor und Sicherheitschef der israelischen Armee. Er berichtete den Amerikanern regelmäßig über die Treffen mit Suleiman, dem Repräsentanten des einzigen arabischen Landes, mit dem Israel diplomatische Beziehungen unterhält.

Suleiman ist in den vergangenen Jahren eine der tragenden Figuren der ägyptischen Außenpolitik geworden. Bei zahlreichen Nahost-Gesprächen von Präsident Husni Mubarak auf Ministerebene ist Suleiman dabei – ein deutliches Zeichen, dass großer Wert auf das Wort des Geheimdienstchefs gelegt wird. Das geht aus geheimen Depeschen der Amerikaner hervor, zu denen die „Welt“ in einer Kooperation mit der norwegischen Zeitung „Aftenposten“ Zugang erhalten hat.

Suleiman teilt Israels Sorgen über die Hamas im Gazastreifen

„Es ist keine Frage, dass Israel mit Omar Suleiman sehr gut leben kann“, heißt es in einer Depesche aus dem Jahr 2008. So erklärt sich wohl auch die Skepsis Israels gegenüber den Aufständen in Kairo – unter der Diktatur Mubaraks und seinem designierten Nachfolger wussten sie genau, woran sie sind.

Im September 2005 trifft sich Suleiman mit Gilad in Kairo. Gilad berichtete den Amerikanern anschließend über das dreistündige Gespräch, gemeinsam sei beiden die Furcht gewesen, die Hamas könnte bei der Wahl im kommenden Jahr einen großen Stimmenanteil für sich verbuchen könnte.

Gilad fürchtete zu Recht, dass die Hamas die Wahl gewinnen könnte. „Das würde alles zerstören“, sagte Gilad. „Es wird keine Wahl geben im Januar“, soll Suleiman darauf gesagt haben. „Wir werden das verhindern.“ Wie er das bewerkstelligen wollte, sagt er nicht. Falls Suleiman wirklich die Wahl sabotieren wollte, ging es jedenfalls schief.

Menschenrechte und Demokratie in Ägypten kein Thema

Aus den Dokumenten geht hervor, dass Suleiman besorgt war über eine islamistische Regierung im Gazastreifen, die die ägyptische Muslimbruderschaft stärken könnte. Laut einer Depesche von 2006 erklärte er, die Muslimbruderschaft sei „weder eine religiöse Organisation noch eine soziale Organisation, noch eine politische Partei, sondern vielmehr eine Kombination aus allen dreien“.

Sie beute die Religion aus, um Einfluss zu gewinnen und die Massen zu mobilisieren. Einen Themenkomplex vermieden die Amerikaner allerdings bei den Gesprächen mit Suleiman stets: Menschenrechtsfragen und Demokratisierung in Ägypten.

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