Die irakischen Christen bleiben im Visier offenbar sunnitischer Extremisten. Bei einer Serie von Bomben- und Granatwerferangriffen auf Häuser von Angehörigen der christlichen Minderheit in fünf verschiedenen Bagdader Stadtvierteln kamen in der Nacht mindestens drei Menschen ums Leben, wie es in Sicherheitskreisen hieß. Mehr als 30 Personen wurden verletzt.

Die Angriffe nährten Befürchtungen in der christlichen Minderheit, dass sunnitische Extremisten versuchen könnten, sie aus ihrer angestammten Heimat zu vertreiben. Erst vor zehn Tagen waren bei einer Geiselnahme in der katholischen Kathedrale mehr als 50 Menschen getötet worden.

Der christliche Abgeordnete Jonadam Kanna sagte, es sei ganz offensichtlich das Ziel der Terroristen, die letzten Christen aus dem Irak zu vertreiben. Dies dürfe nicht passieren. „Was können wir tun? Sie jagen die Christen in allen Bagdader Stadtteilen“, klagte der aufgewühlte chaldäische Patriarch Emmanuel III Delly. Die Christen könnten die Angreifer nicht aufhalten. „Wir können nur zu Gott beten, dass er diese Verbrechen beendet.“

Die nächtlichen Angriffe seien eine Fortsetzung der Geiselnahme in der Kirche am 31. Oktober, hieß es im Innenministerium. Extremisten mit Verbindungen zur al-Qaida hatten die Gläubigen in ihre Gewalt gebracht und Sprengsätze gezündet, als die Polizei das Gebäude stürmte.

Am Dienstag hatte der amtierende Ministerpräsident Nuri al-Maliki die Kirche besucht. Er drückte seine Solidarität mit den Christen aus, die den Staat ihrerseits um mehr Schutz baten. Mehr als die Hälfte der irakischen Christen hat seit dem US-Einmarsch 2003 ihre Heimat verlassen.

Reuters/dpa/cn