GuttenPlag

Ex-Minister Guttenberg mogelte zu 94,4 Prozent

Die Internet-Plattform GuttenPlag hat die Dissertation des Ex-Ministers genau untersucht - die abgeschriebenen Textstellen werden immer mehr.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat der Universität Bayreuth zufolge vorsätzlich bei seiner Doktorarbeit getäuscht. Zu diesem Ergebnis kommt die Uni-Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft, wie die Hochschule mitteilte. In dem nach knapp dreimonatiger Prüfung abgeschlossenen Kommissionsbericht heißt es demnach, dass Guttenberg „die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat“.

Über die ganze juristische Doktorarbeit Guttenbergs verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiat zu qualifizieren seien. Guttenberg hatte sich vor zwei Monaten wegen der Plagiatsvorwürfe aus der Politik zurückgezogen, außerdem wurde ihm der Doktortitel aberkannt.

Die Internet-Plattform GuttenPlag hatte bereits am Tag des Rücktritts von zu Guttenberg einen Zwischenbericht vorgelegt. Auf der Plattform - ein sogenanntes "Wiki", dessen Nutzer Inhalte lesen und auch bearbeiten können - wurden von einer Vielzahl von Internet-Nutzern mutmaßliche Plagiate in der Dissertation untersucht, mit der zu Guttenberg 2006 an der universität Bayreuth mit "summa cum laude" promovierte.

Zur Darstellung des Anteils angeblicher Plagiate an den Gesamt-Seiten der Dissertation hat GuttenPlag in einer Art Strichcode die unterschiedliche Bewertung von Teilen der Arbeit zu gekennzeichnet.

Laut dem Bericht wurden bislang (Stand vom 3. April, 1.55 Uhr) mutmaßliche Plagiate auf insgesamt 371 von 393 Seiten der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg ( „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ ) gefunden. Das umfasst den reinen Text der Arbeit, Inhaltsverzeichnis, Anhänge, Literaturverzeichnis und Stichwortverzeichnis - Inhalts- und Literaturverzeichnis wurden nicht untersucht. Bei Zählung der Seiten ergab sich somit nach Bewertung der Macher des GuttenPlag-Wiki eine Quote von 94,4 Prozent an Seiten, auf denen mutmaßlich Plagiate zu lesen sind. Gezählt wurden 1218 Plagiatsfragmente aus mehr als 120 verschiedenen Quellen, die nach Angaben von GuttenPlag auf Plausibilität geprüft wurden.

Auf GuttenPlag werden angeblich kopierte Passagen aus zu Guttenbergs Dissertation und die mutmaßlichen Originale gegenübergestellt. Die Verdachtsfälle wurden untersucht, mutmaßliche Plagiate anschließend abhängig vom Ausmaß der angeblichen Kopie in verschiedene Klassen eingeteilt, vom "Komplettplagiat" über die "Verschleierung" (umformulierte Orginialtexte, deren Urheber nicht angegeben wurden) bis hin zum "Bauernopfer" (der Urheber wird nur für einen unbedeutenden Textteil ausgewiesen, während wesentliche Passagen ohne Nennung übernommen wurden).

Die Macher des Guttenplag-Wikis hatten die mutmaßlichen Plagiate noch genauer zugeordnet, nämlich nach Zeilen. Den Angaben zufolge weist die Dissertation des zurückgetretenen Verteidigungsministers nach den Maßstäben der Internet-Aktivistenmehr als die Hälfte (63,8 %) Plagiate auf. Auch fanden die Plagiate-Sucher zahlreiche "verschleierte Plagiate“, also umformulierte fremde Passagen, die „keinesfalls durch vergessene Anführungszeichen entstanden“ seien. Auch wurden Übersetzungen erstellt, ohne die Quelle zu nennen. Hinzu kämen weitere Stellen, an denen etwa eine Fußnote angegeben worden sei, die sich jedoch auf einen unbedeutenden Teil des Originaltexts beziehe, während größere Abschnitte daraus ohne Zitatnachweis übernommen worden seien.

An einem abschließenden Bericht mit neuen Detailzahlen arbeitet GuttenPlag zurzeit noch. Das Projekt wurde inzwischen für den Grimme Online Award nominiert.