Bereits am 14. Oktober lag Morgenpost Online ONLINE ein Papier aus der Arbeitsgruppe Gesundheit der Unionsfraktion vor , indem von höheren Beiträge für Krankenversicherte die Rede war. Nun bestätigten dies Kreise der zukünftigen Koalition. Mit der größeren Beitragsautonomie sieht der Kompromiss in der Gesundheitspolitik eine Abkehr vom einheitlichen Beitragssatz vor.
Der FDP-Experte Daniel Bahr bestätigte die Einigung und zeigte sich zufrieden. „Der staatlich festgelegte Einheitsbeitragssatz im Gesundheitsfonds gehört der Vergangenheit an“, sagte Bahr. Die Krankenkassen würden künftig wieder selbst über die Höhe ihrer Beiträge entscheiden.
Im Grundsatz hatte sich diese Entwicklung bereits abgezeichnet. Morgenpost Online hatte in der vergangenen Woche aus einem Papier der CDU-Fraktion zur Gesundheitspolitik zitiert. Darin sprachen sich die Parlamentarier bereits für höhere Beiträge der Versicherten aus. „Wir schlagen vor, den Teil des Beitrags, der kassenindividuell als Zusatzbeitrag erhoben wird, zu erhöhen“, hieß es in dem Papier. Auf diese Weise sollte eine Finanzierungslücke geschossen werden, die entsteht, wenn der durch den gesetzlichen Einheitsbeitrag zur Krankenversicherung erbrachte Finanzierungsanteil des Gesundheitsfonds sinke. Ziel war eine „regionalen Betriebsautonomie der Kassen“.
Derzeit gilt für die rund 180 Kassen ein einheitlicher Beitragssatz von 14,9 Prozent. Davon tragen die Arbeitnehmer den größeren Anteil von 7,9 Prozent, der Arbeitgeberanteil liegt bei 7 Prozent. Das Geld fließt zusammen mit Steuerzuschüssen in den Gesundheitsfonds. Von dort wird es an die Kassen verteilt, wobei Versicherungen mit mehr Kranken höhere Zuweisungen bekommen. Die Gesundheitspolitiker von Union und FDP hatten immer wieder betont, dass die Gesundheitskosten die Lohnnebenkosten für die Wirtschaft nicht weiter in die Höhe treiben sollten.
Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) früh gesagt hatte, sie wolle am Fonds festhalten, hatte die FDP immer wieder betont, ihn abschaffen zu wollen. Die CSU hatte auf Veränderungen gepocht: Weniger Geld sollte bundesweit umverteilt werden. Einen Teil der Beitragsmittel für die Kassen sollten diese direkt einziehen und behalten, so dass die regionale Wirtschaftskraft besser abgebildet werde. Dagegen hatten sich die von der Umverteilung profitierenden Ostländer gewehrt.
Die Verhandlungsführer für Gesundheit – Ursula von der Leyen (CDU) und Philipp Rösler (FDP) – stellten die Einigung gemeinsam mit der CSU-Politikerin Barbara Stamm (CSU) am Vormittag in Berlin vor.
Leyen sagte, die Neuordnung bringe auch mehr Transparenz in das System. Die Kassen könnten über ihre Beiträge zeigen, wie sie wirtschaften. Das neue System werde aber vermutlich erst 2011 stehen. Zunächst ändere sich nichts. Der einheitliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung bleibe vorerst bestehen, ebenso die Deckelung der Zusatzbeiträge. „Wir brauchen im Augenblick den Gesundheitsfonds“, sagte Leyen.
Die gesamte Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung soll auf den Prüfstand gestellt werden. Eine Expertenkommission soll vorbehaltlos verschiedene Richtungen prüfen, wie bereits am Vortag bekannt wurde.
Bereits kurzfristig könnten zentrale Stellschrauben am Fonds verändert werden. Den Kassen-Mitgliedern drohen höhere Beiträge. Die CDU hatte die Obergrenze bei den Zusatzbeiträgen von einem auf zwei Prozent des Einkommens anheben wollen. Die CSU hatte hingegen gefordert, den Sonderbeitrag von 0,9 Prozent für die Arbeitnehmer zu einem Zusatzbeitrag zu machen, der direkt den Kassen zufließt. Eine Einigung in diesem Punkt erschien bis zuletzt kaum möglich.
Das erwartete Defizit von rund 7,5 Milliarden Euro bei den Kassen 2010 soll voraussichtlich mit Steuerhilfen in Höhe von bis zu rund 4 Milliarden Euro nur zum Teil beglichen werden. Union und FDP wollen zudem die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal überprüfen, weil das erwünschte Ziel, die Zahl der Arztbesuche zu senken, weitgehend verfehlt werde. Ein Steuerungsinstrument wird aber als unverzichtbar angesehen.
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