Der inhaftierte Wikileaks-Chefs Julian Assange kann doch auf Kaution freikommen: Ein britisches Gericht lehnte am Donnerstag eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen diese Entscheidung ab. Der 39-jährige Australier wurde für den Termin von einem Gefängnis zum Londoner High Court gebracht. Asange saß wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs zweier Frauen auf Grundlage eines EU-weiten Haftbefehls aus Schweden seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft.

Unter den Unterstützern von Assange vor dem Gerichtsgebäude im Zentrum Londons brach unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Entscheidung Jubel aus. In erster Instanz war Assange bereits am Dienstag die Freilassung gegen Sicherheitsleistungen in Höhe von 240.000 Pfund (rund 282.000 Euro) garantiert worden. Dagegen wurde jedoch Berufung eingelegt. Der Anwalt von Assange, Mark Stephens, hatte bereits vor Beginn der Anhörung am Donnerstag gesagt, das Geld liege „bei den Banken bereit“. 200.000 Pfund müssen in bar hinterlegt werden.

Assange könnte nach der Entscheidung des High Court nun schon bald das Gefängnis verlassen. Dies ist aber mit zahlreichen weiteren Auflagen verbunden. Neben den 200.000 Pfund verlangt das Gericht 40.000 Pfund als Sicherheitsleistung, die im Falle eines Verschwindens Assanges gezahlt werden müssten. Zwei britische Staatsbürger müssen die Summe aufbringen. Außerdem steht Assange unter Hausarrest, hat sich täglich um 18 Uhr bei der Polizei zu melden und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Zahlreiche Prominente, wie der US-Dokumentarfilmer Michael Moore und der britische Regisseur Ken Loach, hatten sich für den Wikileaks-Chef öffentlich eingesetzt und ihm auch finanzielle Unterstützung zugesichert. Doch niemand stand Assange in den vergangenen Wochen so zur Seite wie der Brite Vaughan Smith. Erst bot ihm der ehemalige Kriegsreporter und Hauptmann der britischen Streitkräfte Unterschlupf in seinem Londoner Journalistentreff Frontline Club. Jetzt stellt er ihm sein Privathaus - ein Herrschaftsanwesen in der englischen Grafschaft Suffolk – als permanente Adresse und zum Wohnen bis mindestens Mitte Januar zur Verfügung. Eine feste Adresse in Großbritannien war eine der Voraussetzungen dafür, dass Assange entlassen werden kann. Auch finanziell tritt Smith für den Australier ein.

Die schwedischen Behörden ließen sich vor Gericht von einer britischen Anwältin vertreten. Sie wollten Assange zu Vorwürfen zweier Frauen befragen. Eine Anklage gibt es aber nicht. Der Australier hat die Vorwürfe stets von sich gewiesen. Eine Sprecherin der schwedischen Staatsanwaltschaft sagte jedoch, ihre Behörde habe mit der Berufung gegen die Gerichtsentscheidung vom Dienstag nichts zu tun. Die Berufung sei allein Sache der britischen Staatsanwaltschaft gewesen. Diese widersprach dem: Die britische Staatsanwaltschaft habe in Auftrag der schwedischen Regierung gehandelt.

Die Anwälte von Assange halten die Vorwürfe gegen ihren Mandanten für politisch motiviert. Anhänger befürchten bei einer Überstellung an Schweden eine spätere Auslieferung des Australiers an die USA, wo ihm ein Verfahren wegen der Veröffentlichung von Geheimdepeschen der US-Diplomatie drohen könnte. Der Rechtsausschuss des US-Repräsentantenhauses wollte im Laufe des Donnerstags über Möglichkeiten beraten, Assange und Wikileaks wegen Spionage juristisch zu belangen. Ob Assange an Schweden ausgeliefert wird oder nicht, dürfte von der britischen Justiz erst in einigen Wochen oder gar Monaten entschieden werden. ein.

Unterdessen sperrte die US-Luftwaffe den Zugriff über sein Computernetzwerk auf zahlreiche Zeitungen, die Dokumente von WikiLeaks veröffentlicht haben. Eine Sprecherin sagte am Dienstag, mindestens 25 Internetseiten seien von Computern der Luftwaffe aus nicht mehr abrufbar. Betroffen sind auch die „New York Times“ und der britische „Guardian“. Die Sprecherin verteidigte die Maßnahme als normales Vorgehen bei Webseiten, die „unangemessene Inhalte“ verbreiteten.

Reuters/dpa/AFP/mim