Assanges Anwalt äußerte sich am Donnerstag optimistisch, die vom Gericht festgelegten 200.000 Pfund Kaution noch im Laufe des Tages aufzubringen. „Wir glauben, dass wir das Geld heute haben werden“, sagte Anwalt Mark Stephens vor Journalisten in London. Es gebe Zusagen von Menschen, die Assange bereits bei früheren Gelegenheiten unterstützt hätten. Sie zeigten sich auch jetzt wieder großzügig.

Ein Richter hatte am Vortag entschieden, den in Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen gesuchten Assange mit strengen Auflagen auf freien Fuß zu setzen. Die schwedischen Behörden legten gegen die Entscheidung Beschwerde ein, über die nun am Londoner High Court entschieden werden soll.

Sollten der Antrag am Donnerstagmittag abgelehnt und die Kaution gezahlt werden, könnte Assange schon bald freikommen. Dies wäre aber mit zahlreichen weiteren Auflagen verbunden.

Neben den 200.000 Pfund verlangt das Gericht 40.000 Pfund als Sicherheitsleistung, die im Falle eines Verschwindens Assanges gezahlt werden müssten. Außerdem muss er sich täglich bei der Polizei melden.

Wohl keiner stand Assange in den vergangenen Wochen so zur Seite wie der Brite Vaughan Smith. Erst bot ihm der ehemalige Kriegsreporter und Hauptmann der britischen Streitkräfte Unterschlupf in seinem Londoner Journalistentreff Frontline Club. Jetzt stellt er ihm sein Privathaus - ein Herrschaftsanwesen in der englischen Grafschaft Suffolk – als permanente Adresse und zum Wohnen bis mindestens Mitte Januar zur Verfügung. Das war eine der Voraussetzungen dafür, dass Assange auf Kaution freikommen kann. Auch finanziell tritt Smith für den Australier ein.

Die schwedischen Behörden wollen eine Freilassung verhindern und lassen sich vor Gericht von einer britischen Anwältin vertreten. Sie wollen Assange zu Vorwürfen zweier Frauen befragen. Eine Anklage gibt es nicht. Der Australier hat die Vorwürfe stets von sich gewiesen.

Die Anwälte von Assange halten die Vorwürfe der schwedischen Justiz gegen ihren Mandanten für politisch motiviert. Anhänger befürchten bei einer Überstellung an Schweden eine spätere Auslieferung des Australiers an die USA, wo ihm ein Verfahren wegen der Veröffentlichung von Geheimdepeschen der US-Diplomatie drohen könnte. Der Rechtsausschuss des US-Repräsentantenhauses wollte im Laufe des Donnerstags über Möglichkeiten beraten, Assange und Wikileaks wegen Spionage juristisch zu belangen. Ob Assange an Schweden ausgeliefert wird oder nicht, dürfte von der britischen Justiz erst in einigen Wochen oder gar Monaten entschieden werden. ein.

Unterdessen sperrte die US-Luftwaffe den Zugriff über sein Computernetzwerk auf zahlreiche Zeitungen, die Dokumente von WikiLeaks veröffentlicht haben. Eine Sprecherin sagte am Dienstag, mindestens 25 Internetseiten seien von Computern der Luftwaffe aus nicht mehr abrufbar. Betroffen sind auch die „New York Times“ und der britische „Guardian“. Die Sprecherin verteidigte die Maßnahme als normales Vorgehen bei Webseiten, die „unangemessene Inhalte“ verbreiteten.

Reuters/dpa/AFP/mim