Immer mehr Bundesbürger meinen, dass es Deutschland wirtschaftlich gut oder sogar sehr gut geht. Dennoch ist eine übergroße Mehrheit nach wie vor der Auffassung, der Aufschwung komme nicht bei ihnen an. Auch die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung hält an. Das sind Ergebnisse des Deutschlandtrends von Infratest Dimap im Auftrag der ARD-„Tagesthemen“ und der Morgenpost Online. Bei der Sonntagsfrage geht der Höhenflug der Grünen weiter: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, bekämen sie 22 Prozent der Stimmen – zwei Punkte mehr als im Oktober.
Nach der Befragung von mehr als 1000 Wahlberechtigten zeichnet sich erstmals seit zweieinhalb Jahren eine breite und vor allem wachsende Mehrheit unter den Bürgern ab, die die wirtschaftliche Situation positiv beurteilt. Nur ein knappes Drittel meint, sie sei negativ. Auch die Zukunftsaussichten werden freundlich gesehen. Allerdings wächst die Zahl derer, die glauben, der Aufschwung habe seinen Höhepunkt nun erreicht.
Geteilter Meinung sind die Deutschen bei der Frage, wem sie diesen Aufschwung zu verdanken haben. Vier von zehn Befragten meinen, er gehe auf die alte Bundesregierung aus Union und SPD zurück. Etwas weniger meinen, die aktuelle Regierung habe dazu beigetragen. Wieder andere schreiben die gute Lage sogar den Reformen der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) zu. Der größte Teil aber meint, in erster Linie seien die einzelnen Unternehmen und die Entwicklung der Weltwirtschaft für die niedrige Arbeitslosigkeit verantwortlich.
Das Gefühl, er profitiere persönlich vom Wirtschaftswachstum, hat nur fast jeder dritte Befragte. Die große Mehrheit meint, der Aufschwung gehe an ihnen vorbei. Dieser Eindruck ist in Ostdeutschland stärker als im Westen. Zugleich sagt eine fast ebenso große Mehrheit, die Wirtschaftskrise treffe sie gar nicht. Nur etwas weniger als jeder Dritte sorgt sich um seinen Job. So zufrieden die Bürger also insgesamt mit der wirtschaftlichen Lage sind – so wenig überträgt sich dieser Eindruck auf die Bundesregierung.
Zwar glauben mehr als die Hälfte, dass die schwarz-gelbe Koalition die richtige sei, um für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu sorgen. Wenn es darum geht, soziale Gerechtigkeit herzustellen oder die Sozialversicherungssysteme bezahlbar zu halten, zweifeln rund zwei Drittel der Bürger an der Kompetenz von Union und FDP. Auch Fortschritte bei der Integration von Einwanderern traut man den beiden nicht zu. Einen Vertrauensverlust gab es bei der Frage, ob sich mit dieser Regierung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert.
Weniger als die Hälfte der Bürger glaubt das – vor einem Jahr war es mehr als die Hälfte. Unterm Strich ist nicht einmal jeder Vierte zufrieden mit der Arbeit des Kabinetts von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Dabei hat sich die Zustimmung gegenüber dem Vormonat immerhin leicht verbessert. Insgesamt aber bekommt die Regierung nach einem Jahr Arbeit die Schulnote „ausreichend“. Dabei sind die Anhänger der Union mit einem Notenschnitt von 3,3 etwas positiver gestimmt als die Anhänger der Oppositionsparteien (4,3 bis 4,5). Am zufriedensten sind die FDP-Anhänger, die der Regierung die Note 2,7 geben.
Der unverändert beliebteste Politiker ist mit weitem Abstand Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). 75 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. Aufgeholt hat SPD-Oppositionsführer Frank-Walter Steinmeier (61 Prozent), gefolgt von den Ministern Wolfgang Schäuble (CDU) und Ursula von der Leyen (CDU). Auf Platz fünf steht Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Bundeskanzlerin Merkel und SPD-Chef Sigmar Gabriel folgen auf den Plätzen sieben und acht – nach der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast.
Ungewöhnlich sind die Antworten auf die Frage, wer 2013 Bundeskanzler werden sollte. Vor die Wahl gestellt, sich zwischen Merkel und Guttenberg zu entscheiden, sind die Anhänger der Union gespalten, eine dünne Mehrheit (51 Prozent) tendiert aber zu Guttenberg. Die FDP-Anhänger votieren klar für Guttenberg. Selbst die Mehrheit der Anhänger von SPD, Grünen und der Linken wollen lieber den CSU-Politiker im Kanzleramt sehen als die Amtsinhaberin. Wäre nächsten Sonntag Bundestagswahl, wären die Ergebnisse für Union (32 Prozent), SPD (27) und FDP (fünf) unverändert. Die Linke verliert zwei Punkte (neun Prozent), die Grünen erreichen 22 Prozent.




