Klaus Ammann ist ein gemütlicher Typ. Mit schweizerischem Zungenschlag erklärt der emeritierte Botanik-Professor in der kühlen Luft am Hamburger Hafen, warum Grüne Gentechnik so schlimm gar nicht sei. Uwe Schrader fehlt zwar der weiße Großvaterbart, doch auch er lächelt milde und sucht ganz offensichtlich keinen Streit. Dennoch stehen drei Polizeibeamte bereit, als Ammann und Schrader vor der Deutschlandzentrale von Greenpeace zwölf „Thesen zur Grünen Gentechnik“ an eine eigens mitgebrachte Holzpforte nageln. Greenpeace-Aktivisten haben in der Vergangenheit häufiger gegen Felder mit genveränderten Pflanzen demonstriert.

Der grüne Thesenanschlag ist ordnungsgemäß angemeldet, aber es entbehrt nicht einer gewissen Originalität, dass Greenpeace, bekannt durch spektakuläre Aktionen, nun selber das Ziel eines medienwirksamen Auftritts ist.

Wie einst Martin Luther 1517 in Wittenberg entrollt Ammann ein (optisch auf alt getrimmtes) Dokument, holt den Gummihammer hervor und nagelt drauflos. Die Thesen seien in Anlehnung an Forderungen der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in Rom sowie an eine Stellungnahme von 2009 der deutschen wissenschaftlichen Akademien formuliert, so Ammann. Vormals als Direktor des Botanischen Gartens der Universität Bern tätig, lehrt er heute als Gastprofessor in Delft und Istanbul und sagt: „Klimawandel und Sicherung der Welternährung sind die brennendsten Fragen unserer Zeit.“

Durch eine „ideologiegetriebene Blockadehaltung zur Grünen Gentechnik“ habe man „wertvolle Jahre in der Erforschung möglicher Lösungsansätze verloren.“ Schrader ergänzt: „Gentechnisch veränderte Pflanzen der ersten Generation haben ihre Potenziale in vielen Teilen der weltweiten Landwirtschaft unter Beweis gestellt.“ Schrader ist Vorsitzender des Forums Grüne Vernunft, das die Aktion organisiert hat, und Chef des Vereins Innoplanta zur „Förderung der Akzeptanz der Pflanzenbiotechnologie“.

Außerdem sitzt Schrader für die FDP im Landtag von Sachsen-Anhalt. Statt der Tür überreichen er und Ammann einer Abordnung der Greenpeace-Leitung die Thesen in aufgerollter Form sowie einen Brief – die Einladung zum Dialog. Im Frühjahr wollen sie in Berlin über Grüne Gentechnik diskutieren.

Greenpeace-Sprecherin Sandra Blessin zeigt sich gesprächsbereit: „Wir freuen uns über die Einladung und stehen einem sachlich geführten Dialog immer offen gegenüber.“ Uwe Schrader sei zwar Gentechniklobbyist. „Wir sind aber trotzdem frohen Mutes, ein interessantes Gespräch mit ihm und seinem Verein zu führen.“ Dennoch schätze Greenpeace die Agro-Gentechnik nach wie vor als „Risikotechnologie“ ein. Einmal in die natürliche Umwelt gelangt, seien Genpflanzen nicht kontrollierbar und könnten nicht zurückgeholt werden.

Nach 25 Minuten endet die gewaltfreie Aktion. Klaus Ammann und Uwe Schrader rollen die Transparente ein und verstauen ihre Pforte.