Umweltschutz

Greenpeace übersieht den wahren Mais-Skandal

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Michael Miersch

Bei Greenpeace gibt es Aufregung wegen des Fundes von Gen-Mais bei einer deutschen Firma. Doch das größte Problem befindet sich direkt vor unseren Augen.

Was ist eigentlich ein Umweltskandal? Man sollte meinen, die Antwort sei klar: Wenn eine Firma oder ein Regierung aus Schlamperei oder willentlich etwas verursacht, was Pflanzen, Tieren oder Menschen schadet. Doch in Deutschland gelten andere Maßstäbe.

Greenpeace veranstaltet großes Getöse um 0,1 Prozent Genmais, der im Saatgut einer Norddeutschen Firma enthalten ist. Die Körner wurden in mehren Bundesländern von den Landwirten ausgesät. Es sei der „größte Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland“. Das gehört zum Geschäft, wenn man durch Angstmachen Spendengelder eintreibt. Aber müssen Politiker bei dieser Show mitmachen?

„Eine ziemliche Sauerei“, sekundiert Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus, der Mais müsse vernichtet werden. Dabei weiß er genau, dass dieser Mais weder der Umwelt noch der menschlichen Gesundheit schadet und bereits von Millionen Menschen in aller Welt gegessen wird. Auch in der EU ist die betreffende Sorte schon seit dem Jahr 2004 zugelassen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellte fest, dass es keine wissenschaftlichen Bedenken gegen die Nutzung als Lebens- und Futtermittel gibt. Nur die politische Entscheidung der Mitgliedstaaten, über die Genehmigung steht noch aus.

Die angebrachte Reaktion gegenüber den Greenpeace-Aktivisten wäre also, sie höflich zu fragen, ob sie sonst keine Sorgen haben. Wenn es der Organisation wirklich um die Umwelt ginge, gäbe es einiges für sie zu tun. Denn es gibt tatsächlich einen großen Mais-Skandal in Deutschland. Er findet vor unser aller Augen statt und hat schwerwiegende Folgen für die Natur – doch nichts mit Gentechnik zu tun.

Der Biogas-Boom hat dazu geführt, dass heute 30-mal mehr Mais Angebaut wird als vor 50 Jahren. In den großen Monokulturen kann fast nichts außer Wildschweinen leben. Die Bestände vieler Feldvögel sinken rapide. Es ist die größte und folgenreichste ökologische Veränderung der Landschaft seit Jahrzehnten. Aber die Angstrompeter haben keine Zeit für Ökologie, weil sie mit dem Aufblasen von Nichtigkeiten zu beschäftigt sind.

Bitte, liebe Greenpeace-Aktivisten, schickt die Bilder vom Verbrennen des bösen Gen-Maises den Fischern im Golf von Mexiko. Damit die auch einmal sehen, was für schreckliche Probleme Deutschland hat.