Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die Staatengemeinschaft dazu aufgerufen, den Klimawandel als wirtschaftliche Chance zu begreifen. In Deutschland werde die Erderwärmung nicht länger als Bedrohung, sondern als Herausforderung gesehen, sagte Röttgen vor den Delegierten des Weltklimagipfels in Cancún: „Unsere Strategie, in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren, hat sich auch zu Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise als erfolgreich erwiesen.“
Deutschland sei aus der Krise wirtschaftlich gestärkt heraus gekommen, unterstrich der Minister: „Dies beruht auch auf unserer Stärke beim Export von modernen Energie- und Umwelttechnologien, wo wir bis zu 30 Prozent Weltmarktanteile halten.“
Darüber hinaus betonte Röttgen, dass die Staatengemeinschaft beim Klimagipfel ihre Handlungsfähigkeit zeigen müsse: „Hier in Cancún müssen wir beweisen, dass wir entschlossen und fähig sind, multilateral zu handeln.“ Die Vereinten Nationen seien das Forum, in dem Regeln für Klimaschutz vereinbart werden sollten, fügte er hinzu.
Röttgen forderte die Industrie- und Schwellenstaaten auf, ihre bisherigen Zusagen zur CO 2 -Reduktion transparenter und verbindlicher zu machen. In einem zweiten Schritt müsse ausgelotet werden, wie die Beiträge einzelner Länder aufgestockt werden können, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die unverbindliche Übereinkunft des letzten Gipfels in Kopenhagen enthält freiwillige Zusagen von rund 80 Staaten zur Begrenzung des Kohlendioxid-Ausstoßes.
Die Unterhändler in Cancún suchen weiterhin fieberhaft nach einer Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Die mexikanische Präsidentschaft legte neue Textvorschläge für die beiden Arbeitsgruppen vor. Beobachter kritisierten jedoch, dass kritische Punkte weiterhin ausgespart seien. Röttgen bezeichnete die Beratungen als „wahnsinnig kompliziert“.
Die Präsidentin der Konferenz, die mexikanische Außenministerin Patricia Espinoas, betonte, nun seien politische Entscheidungen gefragt, um voranzukommen. Röttgen schloss nicht aus, dass es bei den Beratungen über das weitere Vorgehen auch Streit geben könne. „Aber besser heute den Krach als am Freitag“, fügte er hinzu.
EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard forderte die großen Schwellenländer, darunter insbesondere China, auf, ihre Vorstellungen zur Kontrolle des Treibhausgasausstoßes zu präzisieren. China hatte zuletzt Entgegenkommen signalisiert, seine bislang freiwilligen Zusagen zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes überprüfen zu lassen und die Ziele selbst in einem offiziellen UN-Dokument zu verankern.
Details sind bislang aber offen. „Wir müssen wissen, was das bedeutet“, forderte Hedegaard. Dies müsse noch in Cancún geklärt werden, sagte sie und fügte hinzu: „Transparenz ist von beiderseitigem Interesse.“
EPD/dapd/cn




