Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) eine Tendenz zur Verharmlosung der SED-Diktatur vorgeworfen. „Es ist verständlich, wenn Politiker vor Wahlen den Menschen nach dem Munde reden. Bei der Bewertung einer Diktatur sollten sie jedoch nicht herumeiern“, sagte Knabe.


Thierse hatte in der „Berliner Zeitung“ eine differenzierte Beurteilung der DDR gefordert. Seinen Worten nach muss unterschieden werden zwischen „dem System namens DDR und den Menschen, die in diesem System gelebt haben“.

Knabe kritisierte, diese Forderung sei „ebenso trivial wie irreführend“. Niemand mache den Ostdeutschen zum Vorwurf, dass sie in einer Diktatur leben mussten.

Das Problem sei, dass viele diese Diktatur „im Nachhinein schönzureden versuchen“. Anders als Thierse meine, sei nicht zu viel, sondern zu wenig über die jahrzehntelange Unterdrückung in der DDR gesprochen worden.

„Im Unterschied zum Nationalsozialismus sind wir bei der SED-Diktatur dem Hang zur Verklärung nicht genügend entgegengetreten“, betonte der Historiker. Er fügte hinzu, von einem Mann wie Thierse, der beim NS-Unrecht oft als Mahner auftrete, vermisse er ein ebenso klares Urteil über die kommunistische Diktatur.

Thierse hatte gesagt, der Umgang mit der DDR-Geschichte leide daran, dass sie in den 90er Jahren als eine „Skandalgeschichte von Feigheit und Verrat“ vermarktet worden sei. „Stasi war das Faszinosum. Das ist verständlich, aber darin geht die DDR-Geschichte nicht auf.“

Auch sei wichtig, dass über die Lebenspraxis der Menschen nicht nur Vernichtungsurteile gesprochen würden, betonte der SPD-Politiker. Derzeit müsse allerdings jeder mit einem Bannfluch rechnen, der versuche, genauer und differenzierter über die Geschichte der DDR zu urteilen.

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