Umstrittene Priesterweihe

Pius-Brüder stellen sich offen gegen den Vatikan

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Zu Beginn ihrer umstrittenen Priesterweihen hat die Pius-Bruderschaft erneut die deutschen katholischen Bischöfe kritisiert. Die reaktionären Pius-Brüder weihen heute in Bayern drei Priester und drei Diakone, obwohl der Vatikan und die Amtskirche in der Bundesrepublik diese Weihen verboten haben.

Im Priesterseminar der umstrittenen Pius-Bruderschaft im bayerischen Zaitzkofen bei Regensburg haben die Feierlichkeiten zur Weihe von drei neuen Priestern begonnen. Die Zeremonie, zu der mehr als 1000 Besucher erwartet wurden, findet trotz Verbots des Vatikans und scharfer Kritik deutscher katholischer Bischöfe statt. Der Vatikan wertet die Weihen als Verstoß gegen das Kirchenrecht.

Zu Beginn der Weihefeier erklärte der Leiter des Priesterseminars in Zaitzkofen, Regens Pater Stefan Frey: „Wir bedauern die Emotionalisierung der öffentlichen Diskussion über die Priesterbruderschaft St. Pius X. und auch dieser Priesterweihen.“ Zugleich bedauerte er die „verbale Ausgrenzung, die wir in diesen Tagen massiv von Seiten mehrerer deutscher Bischöfe erfahren“. Die Bischöfe hatten die Pius-Bruderschaft bis zuletzt aufgefordert, die Priesterweihe abzusagen.

Ausdrücklich verteidigte Frey die Priesterweihen. Wenn die Gemeinschaft aufhören würde, "Priester zu weihen, die Messe zu feiern und Sakramente zu spenden, dann würde das faktisch unsere Auflösung bedeuten.“ Kirchenrechtlich befinde man sich in einer Grauzone, sagte er. Mit der Forderung der deutschen Bischöfe, die Weihen abzusagen, werde die Absicht des Papstes ins Gegenteil verkehrt, die er mit der Rücknahme der Exkommunikation von Bischöfen der Piusbruderschaft verfolge.

Die Priesterweihe soll ein spanischer Bischof spenden. Seine Exkommunikation hatte Papst Benedikt XVI. im Januar aufgehoben. Die drei Priester, die geweiht werden sollten, stammen nicht aus Deutschland. Die Zeremonie, bei der auch zwei Diakonie geweiht werden sollen, findet im Park des Seminars statt, weil die Kapelle zu klein ist.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte die Pius-Brüder scharf. Alles, wofür die katholische Kirche des 20. und 21. Jahrhunderts stehe, etwa die Anerkennung der Religionsfreiheit und der Dialog zwischen den Kirchen, stoße auf eine „stinkreaktionäre Ablehnung“ und werde „von dieser kleinen Sekte der Piusbruderschsft abgelehnt“, sagte Thierse, Mitglied der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Wer sich so verhalte „und die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt, ist nicht Teil der katholischen Kirche“, sagte Thierse weiter. Dabei gehe es nicht nur um die Autorität des Papstes, sondern um die inhaltliche Ausrichtung. Die Bruderschaft „weiß schon, was sie tut“. Thierse bezeichnete den Konfrontationskurs als „absichtsvolle Provokation, eine absichtsvolle Kampfansage an den Vatikan und den Papst“. Er sei gespannt, wie der Vatikan darauf reagieren werde.

Die traditionalistische Priesterbruderschaft war in den vergangenen Monaten mehrfach in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Ein Auslöser war die Aufhebung der Exkommunikation von vier unrechtmäßig geweihten Bischöfen der ultrakonservativen Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. Unter ihnen befand sich der Engländer Richard Williamson, dessen Leugnung des Holocaust weltweit Empörung hervorgerufen hatte. Auch die Weihe einer Kapelle in Fulda gegen den Willen des Ortsbischofs sowie die Ankündigung weiterer Priesterweihen bescherten der Pius-Bruderschaft viel Aufmerksamkeit.

( epd/ddp/ras )