Baden-Württemberg

Das spezielle Wahlrecht gilt als Hindernis

Das Wahlrecht in Baden-Württemberg ist eine Besonderheit. Jeder Wähler hat dort nur eine Stimme – das führt zu Problemen bei Überhangmandaten.

Foto: dpa / dpa/DPA

Baden-Württemberg ist mit 35.751 Quadratkilometern das drittgrößte Flächenland. Hier leben in 70 Wahlkreisen 10,75 Millionen Menschen, wovon 7,8 Millionen wahlberechtigt sind. Bei der Landtagswahl 2006 lag die Wahlbeteiligung bei 53,4 Prozent. Seit 1953 wird Baden-Württemberg ununterbrochen von den Christdemokraten regiert, in absoluter Mehrheit oder in Koalition, derzeit mit der FDP.

In Baden-Württemberg existiert ein spezielles Wahlsystem. Es gibt eine personalisierte Verhältniswahl: Jeder Wähler hat nur eine Stimme, es gibt keine Parteilisten. Dieses Ein-Stimmen-Wahlrecht begünstigt große Parteien, die über viele Direktkandidaten verfügen. So fehlte der CDU 2006 bei 44,2 Prozent der Stimmen nur ein Sitz zur absoluten Mehrheit. Es kann also sein, dass eine Koalition eine Mandatsmehrheit besitzt, obwohl sie keine Stimmenmehrheit hat.

Für die CDU kandidiert Stefan Mappus für eine zweite Amtszeit als Ministerpräsident. Der 44-jährige gebürtige Baden-Württemberger ist studierter Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. Ihm wird nachgesagt, Politik aus „dem Bauch heraus“ zu machen. Mappus stand in den letzten Wochen mehrmals in der Kritik.

Gründe dafür waren der Ankauf von EnBW-Anteilen, seine Befürwortung von AKW-Laufzeitverlängerungen sowie das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Die wenig schmeichelhaften Spitznamen „Rambo“ und „Mappi-Schnappi, das Krokodil“ wurden ihm angeheftet.

Schmid ist der jüngste Kandidat

Nils Schmid tritt für die SPD an. Mit nur 37 Jahren ist er der jüngste Spitzenkandidat. Schon mit 23 Jahren saß er im Landtag, während er noch Jura studierte. Seine Doktorarbeit (ausgezeichnet mit „summa cum laude“) machte er bei Ferdinand Kirchhof, heute Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. Sein politischer Schwerpunkt ist bisher die Finanzpolitik, als Ministerpräsident will er sich besonders der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik widmen. Seine Ehefrau Tülay ist türkischer Abstammung.

Winfried Kretschmann ist der Kandidat für Bündnis90/Die Grünen und könnte erster grüner Ministerpräsident Deutschlands werden. Dem in Baden-Württemberg geborenen bodenständigen Lehrer wird großes Potenzial als Landesvater attestiert, er wird aber auch als wenig medienwirksam empfunden.

Der als „Anti-Mappus“ bezeichnete 62-Jährige fordert eine Volksabstimmung über Stuttgart 21. Der dreifache Vater hat sich vehement gegen eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ausgesprochen.

Aus der FDP bewirbt sich Ulrich Goll. Der vom Bodensee stammende Jurist ist seit 1996 Justizminister. Seine Leidenschaft sind Motorräder und Sportwagen. Falls es die FDP nicht in den Landtag schafft oder es nicht zu einer Regierungsbeteiligung seiner Partei kommt, wird er sich vermutlich von der politischen Bühne zurückziehen.

Das Duo aus Marta Aparicio und Roland Hamm geht für die Linke ins Rennen. Die in Buenos Aires geborene Ethnologin und Politikwissenschaftlerin setzt sich für gerechte Frauenpolitik und Alleinerziehende ein, Roland Hamm war SPD-Mitglied, bevor er sich der WASG und dann den Linken anschloss.

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