In Teheran versammelten sich heute mehrere hunderttausend Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Mussawi versammelt. Die Demonstranten protestierten dagegen, dass der bisherige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad zum Sieger der Wahl vom Freitag erklärt wurde.

Zwei Polizisten schätzten die Zahl der Kundgebungsteilnehmer auf 1,5 bis zwei Millionen, Reporter der Nachrichtenagentur AFP sprachen von mehreren hunderttausend Demonstranten, die sich trotz eines Verbots in der iranischen Hauptstadt versammelt hatten.

Der Protestzug blockierte über Kilometer hinweg die Straßen der iranischen Hauptstadt. Die Demonstranten trugen grün, die Farbe Mussawis. „Mussawi, nimm unsere Stimmen“, skandierten sie und kündigten tägliche Demonstrationen an, sollte Ahmadinedschad Präsident bleiben. „Wir kämpfen, wir sterben, wir werden diese Wahlmanipulation nicht akzeptieren“, schallte es aus der Menge. Mussawi selbst ließ sich von der Masse feiern.

Ein Augenzeuge berichtete, dass Anhänger Ahmadinedschads heute erneut von Motorrädern aus mit Stöcken auf ihre Gegner einschlugen. Studenten zufolge wurden Kommilitonen von einer religiösen Miliz verschleppt. Die Universitätsleitung wies die Berichte zurück. Auf Fernsehbildern war ein ausgebranntes Fahrzeug auf dem Gelände der Universität zu sehen, eine gegenüberliegende Bank war ausgebrannt. Das Innenministerium hatte erklärt, Mussawi werde für jede Gewalt verantwortlich gemacht. Der ehemalige Ministerpräsident hatte seine Anhänger zum friedlichen Protest aufgefordert.

Der gemäßigte Konservative Mussawi hatte den Wächterrat am Sonntag aufgefordert, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten für nicht gültig zu erklären. Der geistliche Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, kündigte heute an, der Wächterrat werde die Betrugsvorwürfe des unterlegenen Kandidaten „genau“ prüfen. Ein Sprecher des für die Organisation des Urnengangs zuständigen Wächterrats sagte der Nachrichtenagentur ISNA, das Gremium wolle sich morgen mit Mussawi treffen, um über dessen Vorwürfe zu beraten. Chamenei hatte Mussawi laut iranischem Staatsfernsehen bereits bei einem Treffen am Sonntag über die Entscheidung informiert, das Wahlergebnis überprüfen zu lassen.

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AFP/reuters/str