Sicherheit

Obama gibt Bushs Raketenschild in Europa auf

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Die US-Regierung unter Barack Obama will offenbar eines der großen Projekte George W. Bushs beerdigen: den Raketenschild in Osteuropa. Grund sei eine neue Bewertung der Bedrohung durch den Iran. Teheran habe die Entwicklung von Langstreckenraketen "nicht so schnell wie angenommen" vorangetrieben.

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama gibt den Plan für einen Raketenschild in Osteuropa nach Informationen des „Wall Street Journal“ auf.

Wie das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe unter Berufung auf Vertrauensleute aus der aktuellen Regierung und der Vorgängerregierung unter Präsident George W. Bush berichtet, ist dafür eine Neubewertung der Bedrohung durch den Iran ausschlaggebend.

Teheran habe sein Programm zur Entwicklung von Langstreckenraketen „nicht so schnell wie angenommen“ vorangetrieben, hieß es.

Die Bush-Regierung hatte geplant, das Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien aufzubauen. Das Projekt rief in Russland scharfe Kritik und die Androhung von Gegenmaßnahmen hervor.

Der Bericht des "Wall Street Journal" wurde in Moskau mit Zurückhaltung aufgenommen. „Das wäre eine gute Nachricht für Russland“, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Außenministeriums in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax.

Kremlchef Dmitri Medwedew habe US-Präsident Barak Obama wiederholt die Ablehnung Russlands gegenüber dem US-Raketenabwehrprojekt deutlich gemacht. „Washington wollte das Projekt neu betrachten. Wir rechnen damit, dass dann unsere Besorgtheit gegenüber der geplanten US-Radaranlage in Tschechien und den in Polen vorgesehenen US-Raketensilos berücksichtigt wird.“

Seit sieben Monaten hatte die neue US-Regierung das Projekt überprüft. Nun steht der Entscheidungsprozess laut Admiral Mike Mullen kurz vor dem Abschluss. Das Ergebnis der siebenmonatigen Überprüfung soll zunächst den Regierungen und Parlamenten in Polen und Tschechien mitgeteilt werden.

( AFP/AP/dpa/ab/cn )