Gut eine Woche vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist der Ausgang in beiden Ländern nach einer neuen Umfrage offen. Rot-Grün liegt aber jeweils vorn – in Stuttgart knapp, in Mainz deutlich.

In Baden-Württemberg kommt die CDU in der Sonntagsfrage der ARD-Vorwahlumfrage auf 39 Prozent der Stimmen. Die SPD erreicht 22 Prozent. Die Grünen liegen bei 24 Prozent. Die FDP schafft mit 5,5 Prozent knapp den Sprung in den Landtag, die Linke würde mit 4,5 Prozent dagegen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Nach diesen Zahlen liegt Rot-Grün mit 46 Prozent vor der amtierenden schwarz-gelben Landesregierung, die auf 44,5 Prozent kommt. Eine knappe Mehrheit der Baden-Württemberger von 50 Prozent ist für einen Regierungswechsel. 39 Prozent sind nach der Umfrage von Infratest dimap hingegen der Ansicht, dass CDU und FDP in Stuttgart weiter regieren sollten.

In Rheinland-Pfalz liefern sich die regierende SPD und die oppositionelle CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Parteien erreichen 36 Prozent der Stimmen. Da die Grünen auf 13 Prozent kommen und FDP und Linke mit 5 beziehungsweise 4 Prozent um den Einzug in den Landtag bangen müssen, würde es für eine rot-grüne Koalition reichen.

Nach der Umfrage von Infratest dimap sind 45 Prozent der Rheinland-Pfälzer der Ansicht, dass die nächste Landesregierung wieder von der SPD geführt sein sollte. Derzeit regiert die SPD in Mainz allein. 34 Prozent wünschen sich hingegen eine von der CDU geführte Landesregierung.

Wenn die Baden-Württemberger ihren Ministerpräsidenten direkt wählen könnten und Stefan Mappus (CDU) gegen Grünen-Chef Winfried Kretschmann antreten würde, kämen beide Kandidaten auf 39 Prozent der Stimmen. Im Falle einer Direktwahl zwischen Mappus und Nils Schmid (SPD) würden sich 37 Prozent für den Amtsinhaber Mappus und 39 Prozent für SPD-Chef Schmid entscheiden.

Könnten die Bürger in Rheinland-Pfalz ihren Ministerpräsidenten direkt wählen und zwischen Amtsinhaber Kurt Beck (SPD) sowie Julia Klöckner (CDU) entscheiden, käme Beck auf 49 Prozent der Stimmen. 33 Prozent würden sich für CDU-Landeschefin Julia Klöckner entscheiden.

Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur Fernsehen und ARD-Wahlexperte, sagte, die Vorwahlumfragen aus dieser Woche stünden stark unter dem Eindruck der dramatischen Ereignisse in Japan und der gravierenden innenpolitischen Folgen. „Die Stimmung in beiden Ländern ist alles andere als gefestigt. Damit gilt für diese Umfragen einmal mehr: Sie sind keine Vorhersage für den Wahlausgang, sondern geben das Meinungsbild in den Tagen der Befragung wieder.“

Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag der ARD-Tagesthemen vom 14. bis 17. März in beiden Ländern jeweils 1250 Wahlberechtigte telefonisch befragt.

Auch bei einer weiteren Frage schnitt die Union schlecht ab: Mehr als zwei Drittel der Deutschen halten den atompolitischen Kurswechsel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für ein Wahlkampfmanöver. Im ARD-Deutschlandtrend waren 68 Prozent der Befragten dieser Meinung – nur 26 Prozent hielten die Aussetzung der Laufzeitverlängerung von Atommeilern für eine glaubwürdige Neuausrichtung der Union in der Atompolitik.

Laut der Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des ARD-„Morgenmagazins“ würden 72 Prozent der Deutschen zudem mehr Geld für Strom ausgeben, damit vollständig auf Atomstrom verzichtet werden kann. 24 Prozent der Befragten waren dazu nicht bereit.

AFP/dpa/jw