Oppositionsbewegung

Khomeinis Enkelin kämpft für die iranischen Frauen

Zahra Eshraghi ist die Enkelin von Ayatollah Khomeini und eine der zentralen Figuren innerhalb der Oppositionsbewegung gegen das Regime im Iran. Ohne sich von ihrem Großvater zu distanzieren, kämpft sie gegen die Benachteiligung der Frauen. Ins politische Abseits gedrängt, leistet sie Widerstand gegen die Konservativen.

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Zahra Eshraghi, Enkelin von Ayatollah Khomeini, zählt zu den ausdrücklichsten Gegnern des Regimes in Teheran. Immer wieder hat sich die Frauenrechtlerin gegen die repressive Politik der Konservativen ausgesprochen. Sie ist nicht die Einzige: Zahlreiche Revolutionsväter und ihre Nachkommen stehen heute auf der Seite der Opposition.

Als Enkeltochter von Ayatollah Khomeini zieht sie aus ihrer Abstammung maßgeblichen Einfluss; jedem Wort Zahra Eshraghis wird in der islamischen Republik Iran erhebliches Gewicht beigemessen. Doch das, was die schmale, blasse 45-Jährige zu sagen hat, stellt für die Führung des Landes eine Bedrohung dar: Zahra Eshraghi, Reformpolitikerin, Menschenrechtsaktivistin, Feministin, zählt zu den wortmächtigsten Kritikern des Regimes, das die Revolution unter Führung ihres Großvaters hervorgebracht hat. „Das ganze Land steht unter erzwungener Stille, bettelt danach, Fragen zu stellen“, sagte sie in einem Interview im vergangenen Jahr, „doch leider protestiert niemand innerhalb des Regimes.“

Es waren gerade die Frauen im Iran, von denen die Aufstände nach dem umstrittenen Wahlerfolg von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu wesentlichen Teilen getragen wurden. Nun wird zum ersten Mal seit Gründung der Islamischen Republik vor 30 Jahren eine Frau einen Ministerposten übernehmen: Mit der Ernennung der als ultrakonservativ geltenden Marzieh Vahid Dastjerdi zur Bildungsministerin versucht Ahmadinedschad offenbar, aus dem Potenzial der Iranerinnen einen Vorteil zu ziehen und sein Image zu verbessern.

Um Zahra Eshraghi dagegen ist es seit Beginn der Proteste Mitte Juni leise geworden, nur einmal meldete sie sich kurz zu Wort und kritisierte die Menschenrechtsverletzungen bei der Niederschlagung des Aufstandes. Auch die Anfrage dieser Zeitung lehnte sie ab, sie sagte: „Es tut mir leid, ich kann mich derzeit nicht äußern.“ Eshraghis Schweigen weist darauf, welche Risiken die exponierte Stellung der Familie birgt. Ihr Ehemann Reza Mohammad Khatami, Bruder des Ex-Präsidenten Mohammad Katami und selbst prominenter Reformer, wurde direkt nach dem Ausbruch der Aufstände kurzfristig festgenommen.

Zenrale Figur innerhalb der Oppositionsbewegung

Die Enkelin Khomeinis sah sie sich in den vergangenen Jahren, so wie viele andere Reformer, politisch ins Abseits gedrängt. Statt dessen hat sie sich zu einer zenralen Figur innerhalb der Oppositionsbewegung entwickelt. Dabei konzentrierte sie sich vor allem auf die Benachteiligung der Frau. „Mir tut es leid zu sagen, dass der Tschador den Frauen aufgezwungen wurde“, sagte sie etwa der New York Times. „Ich trage ihn nur wegen meines familiären Status‘.“ Kritik an ihrem Großvater hat die Mutter zweier Kinder jedoch nie geübt. Ruhollah Khomeinis Verhältnis zu seiner Familie galt als eng und harmonisch. Eshraghi beschreibt ihn als warmherzigen Großvater, der viel mit seinen Enkeln spielte. Jedoch galten auch in ihrem Elternhaus die Prinzipien des Ayatollah: Eshraghi liebte seit ihrer Kindheit die Musik, die Khomeini als „frivol“ ablehnte. Ihr Wunsch, Musik und Malerei zu studieren, blieb ihr daher untersagt. Sie belegte das Fach Philosophie, sagt allerdings bis heute: „Noch immer komme ich manchmal nach Hause und singe. Ich kann diese Gefühle nicht abtöten.”

Statt sich von ihrem Großvater zu distazieren, wirft Eshraghi den Konservativen vor, die Revolution für ihren eigenen Machterhalt zu missbrauchen. Die iranischen Reformern, die zum größten Teil selbst aus den höchsten Ebenen des politischen Establishment stammen, nehmen für sich in Anspruch, die wahren Ideale Ayatollah Khomeinis zu vertreten. Gleichzeitig ist Zahra Eshraghi ein Beispiel dafür, dass sich die Risse innerhalb der Führung des Landes auch auf die zweite Generation nach der Revolution erstrecken. Im Zuge der Verhaftungswelle zeigte sich, dass mehrere Nachkommen einflussreicher Revolutionsväter unter den Demonstranten waren. Mohsen Ruholamini, Sohn eines konservativen Politikers, starb sogar im Gefängnis, offenbar an den Folgen von Folter.

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