Frankreich

Sarkozys Außenministerin stürzt über Tunesien-Urlaub

Michèle Alliot-Marie ist als Frankreichs Außenministerin zurückgetreten. Die Kontroverse um einen Tunesien-Urlaub wurde ihr zum Verhängnis.

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Frankeichs Außenministerin Michele Alliot-Marie war in die Kritik geraten, nachdem sie im Januar während des Volksaufstandes in Tunesien Urlaub gemacht hatte. In Tunesien trat unterdessen Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi zurück.

Video: Reuters
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Frankreichs Außenministerin Michèle Alliot-Marie ist zurückgetreten – nach nur rund 100 Tagen im Amt. Der Schritt war vor der größeren Regierungsumbildung in Frankreich erwartet worden.

Alliot-Maries Nachfolger wird der bisherige Verteidigungsminister Alain Juppé. Neuer Verteidigungsminister Frankreichs wird nach Angaben des Senats der UMP-Politiker Gérard Longuet. Das gab Senatspräsident Gérard Larcher bekannt.

Der bisherige Innenminister Brice Hortefeux tauscht seinen Posten mit Sarkozys bisherigem Generaldirektor Claude Guéant.

Vom Traum- zum Albtraum-Urlaub

Bis zu ihrem Weihnachtsurlaub 2010 galt Allio-Marie als Bilderbuchministerin: zuverlässig, arbeitsam, skandalfrei. Doch dann entschied sich Michèle Alliot-Marie, zum Jahreswechsel von 2010 auf 2011 zusammen mit ihrem Lebensgefährten und ihren Eltern ein paar Tage in der tunesischen Sonne auszuspannen.

Diese Entscheidung kostete die 64-Jährige nun das Amt. Denn in Tunesien protestierte damals schon das Volk gegen den autoritär regierenden Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali. Und eine Außenministerin kann sich nicht einfach erholen, wenn in ihrem Urlaubsland Menschen ihr Leben riskieren, um einen korrupten Herrscher loszuwerden.

Doch nicht genug damit: Alliot-Marie ließ sich auch noch mit dem Privatjet eines befreundeten Geschäftsmannes herumfliegen, der zum Umfeld Ben Alis gehörte. Nach dem Urlaub folgte das Angebot an Ben Ali, auf das Know-how französischer Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten zurückzugreifen.

"Wenn ich im Urlaub bin, bin ich nicht Außenministerin"

Ben Ali wurde gestürzt, und die 64-Jährige, die Kommunikation nicht zu ihren Stärken zählt, tappte auf der Suche nach Erklärungen von einem Fettnäpfchen ins nächste. So verteidigte die konservative Politikerin ihre Reise zunächst mit dem Worten: „Wenn ich im Urlaub bin, bin ich nicht Außenministerin."

Ihre Rolle als Chefdiplomatin füllte sie nach der Tunesien-Affäre kaum noch aus. So hielt sich MAM, wie sie nach ihren Anfangsbuchstaben kurz genannt wird, mit Kommentaren zu den Unruhen in der arabischen Welt zurück. Nach Tunesien reiste an ihrer Stelle Anfang der Woche Finanzministerin Christine Lagarde, während Alliot-Marie in Brasilien weilte.

„Ich habe nicht das Gefühl, etwas Falsches getan zu haben“, so die 64-Jährige, die am Wochenende noch Kuwait besuchte, in ihrem Rücktrittsschreiben. Doch sie hatte die Unterstützung von Präsident Nicolas Sarkozy verloren, der während der französischen G-8- und G-20-Präsidentschaft ein starkes Außenministerium braucht. Auch die Popularitätswerte der Ministerin, die jahrelang zu den beliebtesten Politikern Frankreichs zählte, brachen ein.

Steile Karriere am Ende

Für die spröde wirkende Politikerin mit den dunklen Hosenanzügen und der makellosen Kurzhaarfrisur geht mit dem Rücktritt eine steile politische Karriere zu Ende. Sie begann im französischen Baskenland, wo ihr Vater Abgeordneter und Bürgermeister der Stadt Biarritz war.

Sie selbst wurde 1986 zum ersten Mal in die Nationalversammlung gewählt und war sieben Jahre später bereits Jugendministerin – damals noch im rosa Kostüm mit schulterlangen Haaren. Es folgte 2002 das Verteidigungsministerium, das sie als erste Frau leitete, sowie im Anschluss das Innen- und das Justizministerium. Im November 2010 ernannte Sarkozy Alliot-Marie, die eigentlich auch selbst gerne einmal Präsidentin geworden wäre, dann zur Außenministerin.

Fast genauso glatt und skandalfrei wie ihre politische Karriere ist uch ihr Privatleben: Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die geschiedene kinderlose Juristin mit Patrick Ollier liiert, der im November 2010 zum Minister für Beziehungen zum Parlament ernannt wurde. Beide freuten sich damals über die Beförderung Olliers, die sie zum ersten Ministerpaar Frankreichs machte – allerdings nur für drei Monate.

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