Schavan-Vorstoss

Fachhochschüler sollen leichter promovieren können

Die meisten Dissertationen stammen von Uni-Absolventen. Die Regierung will es für FH-Absolventen leichter machen – auch, weil die Studienplätze dort billiger sind.

Auch wenn derzeit ein Doktortitel für Spott und Häme sorgen kann, der akademische Grad wird weiter für viele hoch attraktiv bleiben. Doch während Absolventen von Universitäten bei guter Leistung keine großen Probleme haben, als Doktoranden angenommen zu werden, mühen sich viele Fachhochschüler vergeblich, einen gnädigen Betreuer zu finden. Denn sie müssen an den Unis hausieren gehen, und oft bleiben ihnen die Türen verschlossen.

Die Bundesregierung sieht das mit Argwohn. Die Fachhochschulen sind ein Lieblingskind von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie fordert die Unis nun nachdrücklich auf, die Zusammenarbeit zu verbessern. „Qualifizierten Absolventen einer Fachhochschule sollte die Teilnahme an einer strukturierten Graduiertenförderung möglich sein. Bisher bleiben die Universitäten oft auf Distanz“, sagte Schavan „Morgenpost Online“.

Oft seien die FHs gezwungen, sich ausländische Partneruniversitäten zu suchen, um ihren Absolventen einen fairen Zugang zur Promotion zu ermöglichen. Schavan findet das „absurd“ und verweist auf den Wissenschaftsrat, der von einer „Pflicht zur Kooperation“ spricht. Tun sich Unis und FHs zu einem Forschungskolleg zusammen, um Absolventen zu promovieren, gewährt das Ministerium ab sofort finanzielle Förderung. Pilotprojekte werden gerade gestartet. Handlungsbedarf besteht: Unter den jährlich 20.000 Dissertationen stammen gerade einmal wenige Hundert von FH-Absolventen.

Unterschiede sind geschrumpft

„Nach unserem Dafürhalten sollten große FHs das Promotionsrecht bekommen“, sagt Florian Keller vom Studentenverband „fzs“. Soweit will Schavan nicht gehen – noch. Aber sie sagt: „Die Profile der beiden Hochschultypen haben sich zum Teil erheblich angenähert. Skeptiker werten dies als schleichende Aushöhlung der Bildungstradition. Ich sehe es anders herum: Universitäten und Fachhochschulen sollten die Annäherung nutzen.“

Mit der Einführung der zweigliedrigen Studienstruktur mit Bachelor und Master sind die Unterschiede geschrumpft. Und Bund und Länder tun alles dafür, damit sie weiter schwinden. Aus mehreren Gründen. Zum einen ist die Reputation der FHs heute hoch, Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Zum anderen geht es natürlich ums Geld.

Die Fachhochschulen taten sich bei der Implementierung der zweigliedrigen Studienstruktur leichter, weil ein klar strukturiertes System dort bereits vor der Reform die Regel war. Zum anderen näherten die Unis ihre Ausbildungsgänge spezifischen Berufsbildern an. Anwendbarkeit von Wissen ist ins Zentrum gerückt. Nach dem Ersatz von Magister und Diplom durch den Master tragen die Absolventen sogar den gleichen Titel. Bereits vor elf Jahren beschlossen die Kultusminister, dass jeder Master das Recht hat zu promovieren. Die FH-Professoren sollen sich sogar als Gutachter beteiligen, nur Projekte vergeben dürfen sie nicht. Vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung kann man davon ausgehen, dass sich das ändern wird.

Ein Studienplatz an der FH ist billiger

Bund und Länder hätten kaum ihre Liebe zu den FHs entdeckt, wenn da nicht ein Vorteil wäre: „Ein Studienplatz an der FH ist deutlich billiger als an der Uni“, sagt Frank Dölle von der Hochschulinformation GmbH (HIS). In der Informatik etwa kostete 2007 ein Uniplatz 10.600 Euro, an der FH hingegen nur 7150 Euro; im Fach Wirtschaft an Unis 4500 und an FHs 3800 Euro. Dölle geht davon aus, dass die Kosten in den neuen Studiengängen an der FH eher zurückgehen, an der Uni wegen des Zwangs, mehr Betreuer einzustellen, aber steigen. Da wundert es nicht, dass von den 180.000 Studienplätzen, die im Rahmen des Hochschulpakts geschaffen wurden, 127.000 auf die FHs und nur knapp 55.000 auf die Unis entfallen. In einigen Bundesländern kam das Plus an Studienplätzen fast ausschließlich durch die FHs zustande. In NRW wurden drei FHs gegründet, acht ausgebaut. Das macht 10.000 Studienplätze.

Unbekannt ist, auf welche Fächer sich die 180.000 Plätze verteilen. Weder die Kultusministerkonferenz noch das Bundesbildungsministerium wissen das. Und es hat den Anschein, als wollten sie es auch nicht wissen. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es den meisten Ländern nur um einen quantitativen Aufwuchs geht. Da werden dann hauptsächlich billige Studienplätze geschaffen“, sagt Frank Dölle. Die tatsächliche Nachfrage spielt demnach keine Rolle.

Die Aufwertung der FHs etwa durch mehr Promotionen begründet sich also auch politisch. Andernfalls würden sich Bund und Länder dem Vorwurf aussetzen, zu knausern und Hochschulförderung nur nach finanziellen Gesichtspunkten zu betreiben.

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