Plagiatsaffäre

Wissenschaftler nennt Guttenberg schlechtes Vorbild

Der Verteidigungsminister zeige mit seinem Plagiat mangelnden Respekt vor der Wissenschaft, so der Präsident der Akademie der Wissenschaften.

Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Jörg Hacker, wirft Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in der Plagiatsaffäre eine schlechte Vorbildrolle vor. „Unredliches Vorgehen bei der Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten stellt eine Handlung dar, die den Respekt vor der Wissenschaft und ihren elementaren Prinzipien vermissen lässt“, sagte der Biologe.

Dabei gehe es nicht um einzelne Vorgänge, sondern um die Wahrnehmung der Wissenschaft in der modernen Gesellschaft, betonte der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. „Wissenschaftliche Standards sind ernst zu nehmen und müssen schon früh in jeder wissenschaftlichen Laufbahn – unabhängig von der Fachdisziplin – garantiert werden.“

Besondere Bedeutung komme dabei der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu, sagte Hacker, der bis 2010 das Robert-Koch-Institut geleitet hatte. Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina mit Sitz in Halle an der Saale ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Wissenschaftseinrichtung in Deutschland. Seit 2008 ist die nach Kaiser Lepold I. (1640-1705) benannte Leopoldina zugleich die Nationale Akademie der Wissenschaften in Deutschland.

Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, warnte davort, Plagiate in der Wissenschaft als Kavaliersdelikt zu verharmlosen. „Weil Wissenschaft von Ideen und Erkenntnissen handelt und diese darin aufeinander aufbauend weitergeführt werden, ist geistiges Eigentum in der Wissenschaft genauso wertvoll wie materielles Eigentum“, sagte Kleiner dem Berliner "Tagesspiegel". Dies müsse von Gesellschaft und Politik wohl noch bewusster mitgetragen werden. Wissenschaft beruhe auf den Prinzipien der Wahrhaftigkeit, der Redlichkeit und des Vertrauens, sagte Kleiner.

Seit Tagen mehren sich die kritischen Stimmen aus der Wissenschaft an dem Verhalten von CSU-Verteidigungsminister Guttenberg. Die Universität Bayreuth hatte am Mittwoch dem CSU-Politiker seinen Doktortitel aberkannt. Auf bis zu 270 Seiten sollen fremde Quellen nicht als solche oder nur unzureichend gekennzeichnet worden sein.

Guttenberg hatte die Plagiatsvorwürfe zunächst als „abstrus“ bezeichnet und nach immer neuen Vorwürfen schließlich „gravierende Fehler“ eingeräumt und von „Blödsinn“ gesprochen. Er betont aber, nicht wissentlich getäuscht zu haben, sondern bei der Vielzahl der Quellen etwas den Überblick verloren zu haben. Einen von der Opposition vehement geforderten Rücktritt lehnte Guttenberg ab.

Kauder: Minister muss an Bundeswehrreform gemessen werden

Unions-Fraktionschef Volker Kauder forderte, den angeschlagenen Verteidigungsminister an der Umsetzung der Bundeswehrreform zu messen. „Ich bin davon überzeugt, dass der Minister diese Aufgabe packen wird. An der Erfüllung dieser Aufgabe ist er aber auch zu messen“, sagte Kauder der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

Der CSU-Politiker habe gezeigt, dass er Fehler zugeben könne. „Das ist ein Zeichen von Stärke“, erklärte Kauder. Den neuen finanziellen Spielraum für den Minister bei der Umsetzung der Bundeswehrreform unterstützte Kauder. „Der Umbau der Bundeswehr ist keine gewöhnliche Reform. Dazu braucht der Minister einen gewissen Spielraum.“

Schäuble: Guttenberg hat Karriere noch vor sich

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Guttenberg trotz der Affäre noch eine große Karriere zu. Guttenberg habe „noch eine lange, große Laufbahn“ vor sich, sagte Schäuble dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Mein junger Kollege wird sich wieder erholen.“

Nach Ansicht Schäubles wird die Affäre um die ungekennzeichnete Verwendung zahlreicher fremder Textstellen in der Doktorarbeit ein Ende haben. „Karl-Theodor zu Guttenberg hat seinen Fehler zugegeben und erklärt. Seinen Doktortitel hat er nun eingebüßt. Das Thema wird sich erledigen.“

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